Mittwoch, 18. Oktober 2017

Der Spitexverband und die Pflegeinitiative - ein Kommentar



Schon bei der Lancierung der Pflegeinitiative hat sich der Spitexverband gegen diese ausgesprochen. Und nun, wo die Initiative zustande gekommen ist, taucht ein Artikel von Medinside vom Mai 2017 in Socialmedia auf.

Es gibt Gegner der Initiative und es ist Zeit, sich mit deren Argumente zu befassen.
Hier jene des Spitexverbandes:

Bei der Lancierung begründete der Spitexverband seine Ablehnung ebenfalls mit den Worten: «Wir wollen unsere Sozialpartner nicht verärgern.»
Ich gratuliere, dem Spitexverband für seinen unglaublichen Mut (Ironie aus). Beinhaltet das Wort Partner nicht auch das sich  miteinander auseinandersetzen? Ich finde es traurig, dass sich der Spitexverband dermassen duckmäuserisch der Konfrontation mit unterschiedlichen Interessen entzieht.

«Denn der neue Verfassungstext wollte nicht die Kompetenzen der Fachangestellten Gesundheit und der Pflegeassistentinnen erweitern – doch gerade diese Personen machen mindestens 60 Prozent der von den Spitexdiensten eingesetzten Pflegeprofis aus. Der Initiativtext spricht lediglich von den diplomierten Pflegefachpersonen aus.»( Artikel Medinside Mai 2017)
Nein, das will die Initiative tatsächlich nicht. Die Kompetenzen der Fachangestellten Gesundheit FaGe) und der Pflegeassistentinnen,(PA) entsprechen ihrer Ausbildung, die wirklich, wirklich gut ist und die für die Praxis (richtig eingesetzt) ein echter Gewinn ist. Es ist nicht das Ziel der Initiative, Pflegefachpersonen mit FaGes zu ersetzen, da dies eine massive Einbusse der Pflegequalität zur Folge hätte. Ich sehe hier den Versuch, Pflegende gegeinander auszuspielen, eine Konkurrenz zu erschaffen, wo keine ist. Die verschiedenen Ausbildungen sind, für das Gesundheitswesen überlebenswichtig, der eine kann nicht ohne den anderen. Und so würden auch FaGes und PAs massiv davon profitieren, wenn genügend Pflefachpersonen zur Verfügung stünden.
 Was ist eigentlich mit den ca 40% von Pflegefachpersonen, die offenbar in der Spitex arbeiten? Sind sie es nicht wert, endlich vor dem Gesetz jene Kompetenzen zu erhalten, die sie in der Praxis, notgedrungen ausüben?

«Ohnehin sehen es die Spitex – Dienste kritisch, dass die Initiative etwa nationale Bestimmungen zu den Arbeitsbedingungen und zu beruflichen Entwicklung einführen will, so Heiniger weiter: Es sei aber nicht Aufgabe des Bundes, die Gestaltungsfreiheit der Spitex – Organisationen zu beschränken.»
Es liegt offenbar nicht im Interesse des Spitex –Verbandes, sich mit einem selbstbewussten Berufsstand auseinander zu setzen. Diese Gestaltungsfreiheit kann man auch mit «es ist für uns bequemer, wenn die Pflegenden nicht wissen wieviel Macht sie haben» übersetzen. Bisher konnten sich Spitex- Verbände sowie andere Arbeitgeber hinter dem Fachkräftemangel verstecken. Ganz nach dem Motto: «Wir finden keine Pflegefachperson, nehmen wir eine FaGe. Oder die Stelle bleibt unbesetzt, bis sie ganz gestrichen wird.».
Insgesamt empfinde ich die Begründung der Spitex –Verbände als Schlag ins Gesicht jeder/ jedes Pflegenden, und ich frage mich, wie es den Pflegenden, die in der Spitex arbeiten, mit diesen Aussagen geht?


Eure Madame Malevizia

Freitag, 6. Oktober 2017

Pflegemythen II - Fachangestellte Gesundheit können Pflegefachpersonen ersetzen




Meine Lieben
Es ist ein relativ junger Mythos, der mir durch einen Beitrag von SRF news erst aufgefallen ist. Dieser Beitrag vom 22.09.17, schrammt meiner Meinung nach haarscharf am Prädikat «Fake – News» vorbei. Suggeriert er doch, dass sich mit dem Run auf die Ausbildung Fachangestellte/Fachangestellter Gesundheit das Problem des Fachkräftemangels von selbst lösen werde. Es fehlen mir einige wichtige Zahlen: Wie viele der Ausgebildeten FaGEs bleiben im Beruf? Und wie lange bleiben sie im Beruf?
Ich bin überzeugt, wir werden die im Beitrag genannten Zahlen, noch in der Diskussion um die Pflegeinitiative um die Ohren geschlagen bekommen. Ganz nach dem Motto: Das Problem löst sich doch von selbst. Ein Grund mehr, mich hier zu diesem Mythos zu äussern.
Es enttäuscht mich, dass selbst das SRF es nicht schafft, den Unterschied zwischen Fachangestellten Gesundheit und Pflegefachpersonen heraus zu arbeiten. Darum hier kurz zum Verständnis:
Fachangestellte Gesundheit ist eine Grundausbildung auf Sekundarstufe II. «Fachfrauen und Fachmänner Gesundheit arbeiten in Spitälern, Alters- Pflege- und Behindertenheimen, bei der Spitex, in psychiatrischen Kliniken und Rehabilitationszentren. Sie pflegen, betreuen und begleiten Personen jeden Alters und führen anhand ihres Kompetenzbereiches medizinaltechnische Verrichtungen aus. Sie gestalten mit den Klientinnen und Klienten den Alltag und erbringen administrative und logistische Dienstleistungen. Nach Abschluss der Ausbildung können FaGe eine weiterführende Ausbildung im Gesundheitswesen absolvieren.» So die Definition der Oda Gesundheit Bern.
Dem steht die Pflegefachfrau HF, wie der Name schon sagt eine Höhere Fachschule auf Tertiärstufe gegenüber. Das Bildungzentrum Pflege Bern beschreibt diese Ausbildung wie folgt: «Die Pflegefachperson HF übernimmt selbständig die Fachverantwortung für den gesamten Pflegeprozess. Dazu gehören Pflegeanamnese, Pflegediagnose, Pflegeplanung, Pflegeinterventionen, Pflegeergebnisse, sowie deren Dokumentation(…)»
Die gesamte Beschreibung ist noch länger und ausführlicher. Ich möchte die Worte selbständig und Fachverantwortung betonen.
Nicht nur die Politik und die Medien, auch diverse Arbeitgeber halten diesen Mythos aufrecht, haben ihn sogar geschaffen. Vor allem in der Langzeitpflege hat man es sich zur Gewohnheit gemacht, fehlende Pflegefachpersonen HF mit Fachangestellten Gesundheit zu ersetzen. Mit fatalen Folgen für die FaGes. So übernehmen sie, aus der Notwendigkeit heraus Aufgaben, für die sie weder ausgebildet sind, noch bezahlt werden. Vor allem letzteres ist praktisch für den Arbeitgeber. Wozu eine «teure» Pflegefachperson bezahlen, wenn eine FaGe es auch tut? Nicht zu unterschätzen ist die daraus resultierende Überforderung der FaGes. Sie müssen eine Verantwortung übernehmen, deren Tragweite sie oft gar nicht überschauen können. Die einen wachsen da hinein, andere zerbrechen daran. Mein Herz weint, um all diese jungen Menschen, die so gnadenlos verheizt werden.
Tatsächlich bin auch ich der Meinung, dass FaGes zur Lösung des Fachkräftemangels beitragen können. Nämlich indem man sie gezielt einsetzt, sie fördert und ihnen den Zugang zur Weiterbildung Pflegefachfrau HF erleichtert. Denn genau da, geht sehr viel Potential verloren. Hier sind Arbeitgeber und Politik gleichermassen gefordert.
Eure Madame Malevizia

Montag, 11. September 2017

Stopp Abbau


Meine Lieben,

Heute war ich an der Protestaktion «Stopp Abbau» gegen das geplante Sparpaket welches unter dem klangvollen Namen Entlastungspaket 2018 Einsparungen von 185 Millionen vorsieht. Einsparungen, auf dem Rücken der Pflege, sozialer Dienste, der Bildung. Und warum das Ganze? Um die Gewinnsteuer zu senken.

Ca 3000 Menschen waren deshalb heute auf dem Münsterplatz und zeigten ihren Unmut. Es gab sehr gute Statements aus verschiedenen Bereichen. Nicht alle Redner, zeichneten sich, durch viel Erfahrung im Reden vor vielen Leuten aus, aber bei allen war ihr Herzblut spürbar. Mir hat die Stimme der Pflege etwas gefehlt. Da ich mir genau dies auf die Fahne geschrieben habe, hole ich dies nun nach…

«Meine Lieben,

Es ist mir völlig schleierhaft, wie der Regierungsrat auf die Idee kommen kann, noch mehr Leistungen in der Pflege abbauen zu wollen. Dies zu beschliessen, grenzt schon an Arroganz und zeigt, dass diese Menschen den Bezug zur Realität verloren haben und nicht über ihre Nasenspitze hinaus denken.

Es sollen Leistungen in der Spitex reduziert werden, was bedeutet, dass die Versorgung Zuhause gar nicht mehr gewährleistet werden kann. Und dies im Wissen, dass Spitäler, durch das DRG – System, ihre Patienten lieber früher als später entlassen. Angesichts des immensen Bettendrucks, werden diese Patienten unterversorgt Zuhause sein. Komplikationen und Rehospitalisationen sind vorprogrammiert. Ein Drehtüren- Effekt tritt ein, ein ständiges Rein – raus, was die Gesundheitskosten weiter explodieren lässt.

Das Prinzip ambulant vor stationär wird so zur Uthopie. Wie soll das umgesetzt werden, wenn sämtliche ambulanten Instiutionen um ihre Existenz fürchten müssen? Vor allem die psychiatrische Versorgung, in der unzählige stationäre Betten gestrichen wurden, steht so vor dem Kollaps.

Die Pläne für die ambulante palliative Versorgung wurden bereits jetzt von Gesundheits- und Fürsorgedirektor Pierre Alain Schnegg sistiert. Damit lässt der Berner Regierungsrat die Pflege in einer der anspruchsvollsten Situationen im Stich. Sterbende und ihre Angehörigen lässt er so ebenfalls im Regen stehen.

150 Sparmassnahmen hat der Berner Regierungsrat formuliert. Eine unausgegorener als die andere. Zu jeder hätte ich das eine oder andere zu sagen, doch ich möchte ihre wertvolle Zeit nicht noch länger beanspruchen. Nur noch dies:

Auch die Einsparungen in der Bildung haben einen direkten Einfluss auf die Pflege. Wie soll dem Fachkräftemangel entgegen gewirkt werden, wenn schon eine angemessene Grundausbildung gefährdet ist?

Werde die Gewinnsteuer nicht gesenkt, seien Arbeitsplätze gefährdet, sagen die Politiker. Ich sage, wird dieses Belastungspaket (und genau das ist es) so umgesetzt, sind Menschenleben gefährdet.

Ich danke Euch, für die Aufmerksamkeit.»


Eure Madame Malevizia

Mittwoch, 30. August 2017

Pflegemythen I - Pflege und die Akademisierung



«Wir meinen, dass durch die Akademisierung viele Begabte, die sich für die Pflege entscheiden würden, aber vielleicht ihre Stärken nicht in der Theorie liegen, ausgeschlossen werden. Das ist unnötig und mit ein Grund für den Arbeitskräfteengpass.»

Diese zwei Sätze, geschrieben von Albert Rösti, Präsident, der SVP Schweiz, zeigen einen, sich sehr hartnäckig haltenden Mythos in der Pflege Auf beide Sätze möchte ich hier eingehen.

«Wir meinen, dass durch die Akademisierung viele Begabte, die sich für die Pflege entscheiden würden, aber vielleicht ihre Stärken nicht in der Theorie liegen, ausgeschlossen werden
Herr Rösti ist nicht der einzige Politiker, der seine Hausaufgaben offenbar nicht gemacht hat. Es ist schlicht falsch, dass es Personen, welche «nur» die Realschule abgeschlossen haben, nicht möglich ist, sich zur Pflegefachperson ausbilden zu lassen. Der Weg führt über Fachangestellte Gesundheit zur Ausbildung Pflegefachperson HF. Ja, das braucht, einen etwas längeren Atem, aber auch nicht mehr, als zu meiner Zeit. Damals brauchte eine Realschülerin (wie ich eine war) drei weitere Jahre mit weiterführenden Schulen und Praktika, bis sie ihren Traumberuf erlernen konnte. Nach diesen drei Jahren, in denen sie zwischen wenig bis gar nichts verdiente, stand sie ohne einen Abschluss da.

Mit dem heutigen Weg, erwerben diese Personen zuerst einen Fähigkeitsausweis und haben nach drei Jahren etwas in den Händen. Aus meiner Sicht, ein klarer Vorteil. Leider hat es die Schweiz verpasst, für attraktive Bedingungen zu sorgen, um möglichst viele Fachangestellte Gesundheit für eine HF – Studium zu rekrutieren. Hier geht viel Potential verloren. Und genau hier sollte die Politik ansetzen.

Das Wort «Akademisierung» steht meiner Meinung nach in dieser Diskussion völlig quer in der Landschaft. Diese hat nie statt gefunden. Die Ausbildung HF bedingt keine Matura und ist auch kein Hochschulabschluss. Die Möglichkeit eines solchen Abschlusses wurde jedoch geschaffen. Er konkurrenziert die HF Ausbildungen jedoch in keinster Weise. Die FH (so heisst das) ist ein Studium. Für dieses Studium entscheiden sich Menschen, die sich eben vor allem für die Theorie interessieren. Sie sind wichtig, für die Pflegenden am Bett. Als Pflegeexpertinnen erarbeiten sie Standards, auf die sich Pflegende stützen können und leisten in komplexen Situationen Support. Politisch gesehen, sind Pflegende mit Hochschulabschluss enorm wichtig. In einem Land, in dem Zahlen über allem stehen, muss auch die Pflege diese vorweisen können.
Kommen wir zum Thema «Begabte». Was heisst begabt? Pflege, so wie sie heute ist und von der schweizerischen Bevölkerung auch erwartet wird, ist keinem Menschen einfach in die Wiege gelegt. Es ist ein Beruf, der körperliche, psychische und geistige Fähigkeiten verlangt. Hat jemand den tiefen ehrlichen Wunsch, diesen Beruf zu erlernen, wird er (oder sie) den vorgegeben Weg gehen, egal wie kurz oder lang dieser sein wird.

"Das ist unnötig und mit ein Grund für den Arbeitskräfteengpass."

Das Wort Arbeitskräfteengpass zeigt eines deutlich. Nur wenige Politiker haben bisher kapiert, dass der Pflege nicht geholfen ist, wenn ihr einfach mehr «Hände» zur Verfügung gestellt werden. Pflegende brauchen nicht mehr Hände, sie brauchen auch die Köpfe dazu. Pflege ist vernetztes Denken und ganz viel Koordination.
Herrn Röstis Aussagen zeigen eines deutlich: In der politischen Landschaft ist das Problem des Fachkräftemangels in der Pflege nach wie vor weder bewusst, noch wird er wirklich ernst genommen.

Es ist an uns, liebe Pflegende, Politiker und Politikerinnen dazu zu bringen, sich ernsthaft mit diesem Problem zu befassen.

Eure Madame Malevizia

Freitag, 11. August 2017

Ein Jahr eine Stimme

Meine Lieben,
Heute ist es genau ein Jahr her, dass ich meine Facebook Seite veröffentlichte. Ich hatte keine Ahnung, was sich daraus entwickeln würde. Ich wusste nur eines: Ich wollte Stimme sein, für die Pflege, ich wollte Stimme sein, aus der Pflege und ich wollte Stimme sein in der Pflege. Auch heute ein Jahr danach, hat sich an diesem Wunsch nichts geändert. Und so wiederhole ich es auch an meinem Geburtstag:
Ich bin eine Stimme für die Pflege:
Es geht mir darum, dass die Gesellschaft da draussen weiss, was Pflegende tun, und welche Auswirkung der Fachkräftemangel auf Pflegende, ihre Berufung und ihre Berufsausübung hat.
Hartnäckig mache ich Politiker auf die Probleme der Pflegenden aufmerksam. Das Gesundheitswesen darf nicht weiterhin auf die Diskussion der steigenden Krankenkassenprämien reduziert werden.

Ich bin eine Stimme aus der Pflege
Seit ich 16 Jahre alt bin arbeite ich in verschiedenen Bereichen der Pflege. Noch heute stehe ich an der Front, direkt am Krankenbett. Ich bin eine Stimme, was ich schreibe, ist meine subjektive Meinung, mein subjektives Erleben. Ich bin eine Stimme. Madame Malevizia ist zwar ein Pseudonym, dahinter steht jedoch ein Mensch. Alle Blogs in meinem Namen, sind auch von mir geschrieben. Das schränkt mich zwar mengenmässig ein, macht mich jedoch authentisch und glaubwürdig. Ich stehe zu jedem einzelnen Wort, dass ich bisher veröffentlicht habe.

Ich bin eine Stimme in der Pflege
Es ist mir wichtig, meinen Berufskolleginnen und Berufskolleginnen zu zeigen, dass wir die Kraft zur Veränderung haben. Ich wünsche mir, sie aus der Lethargie, der Hilflosigkeit heraus zu führen und ihnen jene Macht bewusst zu machen, die wir haben. Mit meiner Tätigkeit als Pflegehexe habe ich mir ein Ventil geschaffen, das, was mich Ohnmächtig macht, mich manchmal fast verzweifeln und aufgeben lässt, auszusprechen.

Kurz vor meinem 1. Geburtstag habe ich zwei grosse Geschenke bekommen. 
Am 10.08. hat meine Facebook – Seite den 200. Abonnenten erreicht, und mein Blogbeitrag „chly chrankeschwösterle“ hat bis heute 21585 Zugriffe. Ich habe keine Vergleiche, wie das bei anderen Blogs ist. Aber für mich, die ich nicht einen Franken in Werbung investiert habe, ist das unglaublich viel! 
Das macht mich demütig und dankbar. Dankbar, für alle diese Menschen, die mit mir gehen.
Das seid Ihr, die meine Blogs lesen und weiter verbreiteten, ohne Euch könnte ich nichts von all dem sein, was ich sein will.

An meinem heutigen Geburtstag möchte ich einigen Wegbegleitern besonders danken.
Als erstes Dir Anna Beck, von Anfang an, gingst Du mit mir, schon bevor ich geboren war, hast Du wichtige Impulse gegeben. Du bist also quasi meine Hebamme. J
Désirée Fessler, beste Schwester ever, für deine ehrlichen und fundierten Feedbacks. Der Austausch mit Dir ist mir unendlich wertvoll und wichtig. Immer wenn ich Angst habe, holst Du mich mich wieder herunter und zeigst mir, dass ich nichts zu verlieren, aber sehr viel zu gewinnen habe.
Meiner Familie, die immer an mich glaubt, mir immer Halt ist.
Markus Stadler, du tratst in mein Leben, als ich kurz die Orientierung verlor. Ohne Dich, gäbe es mich vielleicht nicht mehr.
Eve Kohler, Du hast mir ein Gesicht gegeben, ich liebe die Fotos, die du von mir gemacht hast.
Meinem Team, in dem ich als Pflegefachfrau tätig bin. Aus Datenschutzgründen (meine persönlichen, Euren und denen unserer Patienten) kann ich Eure Namen nicht nennen, aber Ihr wisst, wer gemeint ist. Danke, dass ich Teil von Euch sein darf. Danke, dass ich mit Euch immer wieder das Leben feiern darf.
Meiner PDL (auch hier verzichte ich bewusst auf den Namen), die mir von Anfang wohlgesinnt war und mir jetzt auch ermöglicht, mein Leben so einzurichten, dass ich mein wachsendes Engagement und meine Sehnsucht leben kann.
Dem SBK Bern und Schweiz, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, ihr habt mir von Beginn an eine Plattform geboten.
Ich freue mich schon auf mein 2. Lebensjahr und bin gespannt, was noch alles kommen wird.
Und wenn ich mir noch etwas wünschen darf, trinkt doch heute ein Glas (was auch immer) auf mich!


Eure Madame Malevizia.

Donnerstag, 3. August 2017

Chli chrankeschwösterle


Meine Lieben,

Immer wieder fällt mir auf, wie wenig die Menschen über den Beruf der Pflegefachpersonen wissen. Jüngere Berufskolleginnen (es sind fast ausschliesslich Frauen), erzählen mir oft, dass sie im Ausgang, wenn sie ihren Beruf offenbaren den Satz zu hören bekommen: „Ach, du tuesch chli chrankeschwösterle.“ Was man leicht als billige Anmache abtun kann, zeigt jedoch deutlich auf, wie wenig Respekt unser Beruf in der Gesellschaft geniesst. Auch in der Politik scheint der Eindruck vom „chli chrankeschwösterle“ sich hartnäckig zu halten. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass es Politiker und Politikerinnen gibt, die glauben, die Pflegeinitiative sei nicht nötig.

Ich möchte meine jungen Kolleginnen ermutigen, auf diesen Satz antworten: „Ich mache den Unterschied zwischen Leben und Tod.“

Denn genau das tun wir Pflegefachpersonen (so ist die offizielle Bezeichnung der Krankenschwester in der Schweiz. Darauf lege ich Wert, seit ich auf Google Bilder unter dem Schlagwort Krankenschwester gesucht habe).
Es ist die Pflegefachperson, die Frischoperierte überwachen.
Es sind die Pflegefachpersonen, die bei einem Volumenverlust und den damit zusammen hängenden Blutdruckabfall als erste reagieren
Es sind die Pflegefachpersonen, die den durchgebluteten Verband bemerken.
Es sind die Pflegefachpersonen, die allergische Reaktionen auf Medikamente oder Bluttransfusionen als erste registrieren.
Es sind die Pflegefachpersonen, die eine Atemnot bemerken und erste Schritte einleiten.
Es sind die Pflegefachpersonen, die um frühe Mobilisation, besorgt sind, um Thrombosen und ihre Folgenzu verhindern.
Es sind die Pflegefachpersonen, welche die Hautverhältnisse überwachen, damit Dekubiti vermeiden, sowie Hauterkrankungen wie Pilze oder ähnliches erkennen.
Es sind die Pflegefachpersonen, die an den heissen Tagen darum besorgt sind, dass alte Menschen genügend Flüssigkeit erhalten.
Es sind die Pflegefachpersonen, die bemerken, wenn aus einer Drainage nicht die Flüssigkeit herauskommt, die laut seiner Lage normal wäre.
Es sind die Pflegefachpersonen, welche die Suizidgefahr bei psychisch kranken Menschen einschätzen und sie, wenn nötig in Sicherheit bringen.
Es sind Pflegefachpersonen, die in der Psychiatrie akute Krisen auffangen. Und Menschen in solchen Krisen durch ihre persönliche Hölle begleiten.
Es sind die Pflegefachpersonen, die bei einem Herzkreislaufstillstand mit der Reanimation beginnen, bis das REA – Team da ist.

Ich möchte meine Kolleginnen ermutigen, zu antworten: „Ich bin der Unterschied zwischen würdigem oder unwürdigem Leben und Sterben“

Es sind die Pflegefachpersonen, die Sterbende und ihre Angehörigen bis zum letzten Atemzug und darüber hinaus begleiten. Die dafür sorgen, dass Sterbende keine Angst, keine Schmerzen und keinen Durst leiden müssen.
Es sind die Pflegefachpersonen, die sich darum kümmern, dass volle Einlagen gewechselt werden, dass demente Menschen, die Toilette finden, dass von Kot und Urin verschmutzte Betten frisch bezogen werden.
Es sind die Pflegefachpersonen, die bei depressiven Menschen so lange dran bleiben, bis diese die Kraft aufbringen, ihre persönliche Körperpflege durchzuführen.
Es sind die Pflegefachpersonen, welche die Autonomie von pflegebedürftigen Menschen wahren.
Das alles und noch viel mehr tun Pflegefachpersonen. Sie tun es, unter massivem Zeit – und Kostendruck, der häufig ungefiltert an sie abgegeben wird.
Dies alles zu tun, erfordert nicht nur ein fundiertes Fachwissen und Können, es erfordert auch Herz und seelische Substanz.

„Tuesch chli chrankeschwösterle“
Wenn dann eine Pflegefachperson an einem Abend feiern geht, dann hat sie meiner Meinung nach mehr verdient als diesen abgedroschenen Spruch. Dann hat sie es verdient, Worte des Respekts und des Dankes zu hören, egal in welcher Stimmung das Gegenüber ist.

Eure Madame Malevizia

Montag, 31. Juli 2017

Investieren, mutig, und mit Vision


Für Gesundheitsinstitutionen gibt es zur Zeit offenbar vor allem eine Strategie, um sogenannt rentables Klientel anzuziehen: Sie investieren in die Infrastruktur. Sprich, es wird saniert und neu gebaut. Irgendwo habe ich mal die Redewendung „Investition in Beton“ gehört.
Als Pflegehexe höre ich von meinem Umfeld, verschiedenes über diese oder jene Institution. Selten sprechen die Leute mit mir über diesen wunderschönen Neubau und die luxuriösen Zimmer mit den goldenen Wasserhähnen. Es wird höchstens bemerkt wenn der Bau grottenhässlich und die Zimmer aussehen, wie nur provisorisch hingeschludert. Erwähnenswert ist das aber auch nur, wenn das Ganze noch als Kunst am Bau bezeichnet wird…
Wisst ihr worüber die Leute mit mir sprechen, wenn sie in einer Gesundheitsinstitution waren? Über das Personal, vor allem das Pflegepersonal. Ihre Kompetenz oder Inkompetenz, ihre Freundlichkeit oder Unfreundlichkeit, ihre Zeit, die ihnen zur Verfügung steht, ist offenbar entscheidend, was die Institution für einen Ruf hat. Und der Ruf einer Institution ist der Grund, ob sich Patienten/Bewohner/ Klienten für oder gegen sie entscheidet.
Und so frage mich, wann eine dieser bauwütigen Institutionen auf die Idee kommt, sich von der Konkurrenz abzuheben und in seine Pflegenden zu investieren. Nicht nur auf dem Papier, sondern echt!
Damit meine ich nicht nur angemessene Löhne.
Ich meine damit, sich zum Ziel zu setzen, die Fluktuation so gering wie möglich zu halten. Denn stabile Teams zu haben, bedeutet, es sind erfahrene Pflegende verfügbar, welche Lernende und Frischdiplomierte unterstützen
Um dies zu erreichen sollte zum einen in angemessene Löhne invertiert werden. Noch viel wichtiger ist es jedoch, dass ausreichend Pflegende auf den Stationen zur Verfügung stehen. Dies reduziert Stress und dadurch entstehende Krankheitstage.

Ich meine damit CEOs, die fragen, was brauchen Pflegende, damit sie ihre Arbeit machenkönnen? Pflegende, die sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren dürfen, sind effizient, sind zufriedener und dadurch bestimmt freundlicher. Zudem könnte jeder Betrieb erheblich sparen, wenn die „teuren“ Pflegenden keine Arbeiten mehr erledigen müssen, die nicht in ihren Bereich gehören.
Ich meine damit, dass Pflegedienstleitungen für ihre Pflegenden ansprechbar sind. Ihre Sorgen und Nöte ernst nehmen und sie in den Lösungsprozess miteinbeziehen. Ich meine damit, dass erkrankte (physisch oder psychisch) Pflegende begleitet werden, und das nicht im Sinne von: „Wann kommst du endlich wieder arbeiten.“ Sondern, „Was kann ich für dich tun? Nimm dir Zeit. Wie kannst du gesund werden, wo könnte der richtige Arbeitsplatz für dich sein.“ Ich meine damit, dass Pflegende, wenn sie krank sind ohne schlechtes Gewissen Zuhause bleiben und ihre Krankheit ohne Angst den Pflegedienstleitungen mitteilen können.
Ich meine damit, dass Pflegenden echte Wertschätzung entgegen gebracht wird. Dass sie spüren, jeder Einzelne hier ist wichtig. Ich meine damit nicht irgendwelche Lippenbekenntnisse in den Medien, sondern die kleinen Zeichen, die gesetzt werden können. Weihnachtskarten und ein Weihnachtspräsent zum Beispiel. Oder die Anerkennung dafür, dass von ihnen ein 24 Stundenbetrieb 365 Tage im Jahr aufrecht erhalten wird.
Frau Cornelia Klüver Präsidentin des SBK Bern hat das Thema ebenfalls aufgegriffen (Es ist wirklich Zufall, aber ich nutze ihn gerne). In der Schrittmacherin stellt sie das Konzept des Magnetspitals vor. Es stellt die Frage, weshalb es einigen Spitälern leichter fällt, Personal zu rekrutieren und zu halten als anderen. Die Ergebnisse, decken sich erstaunlich gut, mit meiner subjektiven Einschätzung.
Ich bin überzeugt, dass Investitionen in die Pflege unter dem Strich mehr Ertrag bringen, als die Sanierung von Gebäuden. Aber es braucht mehr persönliche und zeitliche Ressourcen, vor allem des oberen Kaders. Und so frage ich die Damen und Herren CEOs unserer Gesundheitsinstitutionen:
Sind Sie mutig genug, in die Pflege zu investieren?

Eure Madame Malevizia