Freitag, 9. Februar 2018

Bis zum bitteren Ende





Meine Lieben,
Als Pflegehexe habe ich das Privileg selbst zu entscheiden, ob ich nett sein will oder nicht. Und in diesem Blog habe ich absolut keine Lust nett zu sein. Wer damit ein Problem hat, sollte jetzt aufhören zu lesen.
Das was ich in der letzten Zeit von Politikerinnen und Politikern zum Thema Gesundheitswesen gehört und gelesen habe, ich nicht nur eine Frechheit, es zeugt auch von absoluter Ignoranz und Arroganz. Jede und Jeder einzelne von ihnen schweigt beharrlich zum Fachkräftemangel. So, als wäre dieser Fakt überhaupt nicht existent.
Das einzige Thema, dass diese Damen und Herren kennen sind die Kosten. Aus ihren Mündern kommen Worte wie „Kosten senken, Effizienz, einsparen, Wirtschaftlichkeit“ Und jedes Mal könnte ich kotzen. Es mich unglaublich wütend. So wütend, dass ich schreien könnte. Kein einziger und auch keine einzige denkt das, was da herausgelassen wird auch nur ansatzweise zu Ende. Also übernehme ich das jetzt.

Beginnen wir mit:

„Ein Spital kann geführt werden, wie jedes andere Unternehmen.“
Also werden ab jetzt Patienten, die defizitär sind, weil ihre Behandlungszeit länger ist als der DRG es vorsieht, entlassen. Sie werden entweder von ihren Angehörigen abgeholt oder mit der Bahre aus dem Spital herausgefahren und dort, selbstverständlich nachdem die Bahre ausgekippt worden ist, ihrem Schicksal überlassen. Es werden wohl einige vor dem Spital elend verrecken. Die Toten werden dann von den Bestattern eingesammelt.
Ärzte und Pflegende machen nur noch genau das, wofür sie bezahlt werden. Eine Operation dauert länger? Wenn die bezahlte Zeit um ist, wird zugenäht. Es sei denn, der Patient hat Zusatzminuten bezahlt.
Überwachung auf Station? Nur auf Verordnung und streng nach Plan. Das Organisieren und Vernetzen der Interdisziplinären Dienste übernimmt die Pflege nur, wenn der Patient dafür bezahlt.
Bettwäsche, Inkontinenz- und Verbandmaterial: Alles ist abgezählt. Wer mehr benötigt muss bezahlen. Kann er dies nicht. Liegt er halt im Dreck oder riskiert eine Wundinfektion.

Gehen wir weiter zu:

„Bestimmte Eingriffe werden nur noch ambulant durchgeführt“
Da kann es halt schon mal passieren, dass die alte Dame nach der Darmspiegelung im Bus den Stuhlgang nicht halten kann. Oder weil sie von der Narkose noch etwas delirant ist, den Heimweg nicht mehr findet. Es kann auch sein, dass ein  junger Mann nach einer Leistenbruch – OP zuhause stirbt. Weil niemand ihn mehr überwacht und so eine Nachblutung unbemerkt bleibt.

Und enden wir mit: 

„Die Untersuchung darf nicht länger als 30min dauern.“
Wenn in dieser Zeit nicht herausgefunden werden kann, was den Menschen krank macht, ist das wohl Pech. Behandelt wird dann mal ins Blaue hinein. Irgendein Medikament wird schon helfen. Oder es wird mal operiert. Und wenn alles nichts nützt. Ja, dann stirbt der Mensch auch. Für Kinder gibt es da übrigens keine Ausnahme.
Besorgten Angehörigen und verängstigten Eltern, werden die Untersuchungsergebnisse nur erklärt, wenn von den 30min noch Zeit übrig ist.

Ihr findet meine Schilderungen bizarr und widerlich? Ja ich auch. Ich habe jedoch nur zu Ende gedacht, was Politikerinnen und Politiker in unserem Land zum Thema Gesundheitswesen sagen und tun. Dabei vergessen diese eines konsequent: Menschlichkeit und Ethik.
Jetzt, wo ich das alles niedergeschrieben habe, bin ich nicht mehr wütend. Ich bin traurig. Traurig darüber, dass ein so reiches Land, das seine eigenen hohen Wertvorstellungen und ihre Moral immer wieder betont, die Menschenwürde aufs Spiel setzt. Und das auch noch für Geld.
Meine Lieben, ich werde nicht aufhören, für ein menschenwürdiges Gesundheitswesen einzustehen.

Eure Madame Malevizia

Freitag, 2. Februar 2018

Pflegehexerische Erwartungen an die Gesundheits- und Fürsorgedirektion Kanton Bern


Meine Lieben,

In den bevorstehenden Wahlen im Kanton Bern, geht es auch um das Amt des Gesundheits- und Fürsorgedirektors. Für mich Grund genug, mir darüber Gedanken zu machen, was ich als Pflegehexe von eben diesem erwarte.

Zuallererst muss es in der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF)um mehr gehen, als um die Kosten. Die GEF ist keine x – beliebige Firma. Geht es doch im Gesundheitswesen zu allererst um Menschen. Alleine deshalb betrachte ich es als zwingend, dass der Direktor der GEF die Menschenwürde im Fokus hat.

Natürlich sind die Kosten ein Problem, welches angegangen werden muss. Dort erwarte ich jedoch fundierte Lösungsansätze. Immer mehr Eingriffe nur noch ambulant durchführen zu wollen, erachte ich allerdings als Kosmetik. So werden die Kosten, ähnlich einem «Schwarzen Peter» lediglich verschoben. Die Kosten im Gesundheitswesen sind ein hochkomplexes Thema. Unter anderem auch, wegen der Tatsache, dass sich aus Sparmassnahmen im Gesundheitswesen ethisch- moralische Fragen und Dilemmas ergeben. Es kann nicht sein, dass die im Gesundheitswesen Arbeitenden mit diesen Fragen und Dilemmas alleine gelassen werden. Sie gehören im GEF selbst auf den Tisch!

Und wenn wir schon bei den im Gesundheitswesen Arbeitenden sind: Dem Fachkräftemangel muss eine ebenso hohe Priorität eingeräumt werden, wie den Kosten. In dieser Problematik ist eine Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden nicht nur wünschenswert, sondern Pflicht.

Es soll nicht nur um die Frage gehen, wie die fehlenden Fachkräfte zeitnah ausgebildet und rekrutiert werden sollen. Ebenso sind verbindliche Szenarien für jene Institutionen notwendig, bei denen über einen längeren Zeitraum hunderte von Stellenprozenten nicht besetzt sind. Auch und vor allem in dieser Diskussion geht es um die Würde. Um die Würde jener, die unser Gesundheitswesen in Anspruch nehmen müssen. Und ebenso um die Würde jener, die in unserem Gesundheitswesen arbeiten.

Zurzeit ist Pierre – Alain Schnegg der Gesundheits- und Fürsorgedirektor des Kanton Bern. Ob er meine Erwartungen an sein Amt erfüllt? Dies zu beurteilen überlasse ich Euch. Aber vergesst nicht, es ist das Stimmvolk welches der Gesundheits – und Fürsorgedirektor wählt.



Eure Madame Malevizia.

Dienstag, 9. Januar 2018

Pflegende an die Urne I


Meine Lieben,


Immer wieder höre ich: «Ich könnte das nie. Mir fehlt die Zeit, mich politisch so zu engagieren wie du. Meine Lieben, das verstehe ich. Ich erwarte das auch von keinem. Mir macht es Spass und es ist für mich ein wichtiges Ventil geworden, mit meinen Bloggs den Menschenbewusst zu machen, was in der Pflegewelt so abgeht.
Nicht verstehen kann ich, wenn ich höre: «Ach, Politik sagt mir gar nichts» Meist ist das gefolgt von einem, pardon, dümmlichen lachen. Das ganze politische Ränkespiel ist mir auch etwas suspekt. Das ist einer der Gründe, weshalb ich mich entschieden habe, nicht in eine Partei einzutreten, sondern quasi von aussen meine Kommentare herein zu schreien… Doch sich nicht damit zu beschäftigen, und auf sein Stimm- und Wahlrecht zu verzichten, halte ich nicht nur für falsch, sondern für fahrlässig. Wir haben das grosse Glück, in einer Demokratie zu leben, dann sollten wir diese auch mitgestalten.
Für Pflegende ist es aus meiner Sicht ein MUSS, sich die Politik «anzutun». Viele Probleme in der Pflege sind von der Politik verursacht oder werden zumindest von ihnen aktiv ignoriert. Ihre Verantwortung im Gesundheitswesen nehmen nur sehr wenige Politiker und Politikerinnen wahr. Und solange wir Pflegenden nicht endlich begreifen, dass wir unsere Macht nutzen dürfen, können, sogar müssen, wird sich dort auch kein einziger mehr bewegen, als es unbedingt sein muss. Ein Teil dieser Macht der Pflegenden ist der Stimm – und vor allem der Wahlzettel.
Im März stehen im Kanton Bern die Grossratswahlen an und ich lege Euch allen ans Herz geht wählen! Und schaut genau hin, wen und was ihr wählt! Ich bitte jeden einzelnen Pflegenden und jede einzelne Pflegende des Kantons Bern sich die amtierenden Regierungsräte und Regierungsrätinnen anzusehen. Haltet Euch die Debatte um das Entlastungspaket vor Augen und überlegt Euch, sind das die Menschen, welche der Pflege aus ihrer Notsituation helfen werden? Seht Euch die Kandidierenden und die Parteien an. Was sagen sie, zu den Themen im Gesundheitswesen? Sagen sie überhaupt irgendetwas dazu?
Der Wahlkampf ist nun lanciert und ich bin gespannt, welche Themen sich die verschiedenen Parteien auf die Fahne schreiben. Wird sich wieder alles um das Verhüllungsverbot, die Zuwanderung und die Reitschule drehen? Oder hat vielleicht doch eine der Parteien den Mut, sich mit den wirklichen Problemen dieses Landes zu befassen? Der Fachkräftemangel in der Pflege ist eines davon.
Also meine Lieben, fertig mit «das sagt mir nichts» schaut ihn Euch an, den Wahlkampf und bildet Euch Eure Meinung. Ich werde mir erlauben den ein oder anderen Hinweis aus pflegehexerischer Sicht mit auf den Weg zu geben. Denn bei so einem wichtigen Thema kann ich natürlich nicht die Klappe halten…


Eure Madame Malevizia

Montag, 4. Dezember 2017

Eine emotionale Meinung zum Sparpaket des Kanton Bern




Meine Lieben,

Seit Tagen schiebe ich diesen Blog vor mir her. Versuche in Worte zu fassen, was mir selbst die Sprache verschlägt. Ich suche nach Ansätzen, zu erklären, was dieses Entlastungpaket 2018 für die Pflege bedeutet. Und das so sachlich, wie möglich. Aber ich kann nicht. Ich kann meine Emotionen nicht zurückhalten. Und ich will es auch nicht. Ich bin Pflegehexe, mit allem was ich bin und ich bin emotional, dafür schäme ich mich nicht. Und so bekommt Ihr jetzt meine absolut emotionale Meinung zu diesem Thema.

Es macht mich traurig, zu wissen, dass noch mehr Menschen wichtige Hilfe nicht bekommen werden. Mein Herz schmerzt für all die psychisch Kranken und Versehrten, die weiter alleine durchs Leben gehen müssen, weil sie durch das Netz, dass noch einmal grossmaschiger wurde, fallen werden. Ich weine für die alten Menschen, die aus Angst, es sich nicht leisten zu können, auf die Spitex verzichten werden, dadurch verwahrlosen und ein unwürdiges Dasein fristen müssen.

Es enttäuscht mich, zu sehen, dass die Zahlen des Fachkräftemangels in den Medien X - fach wiederholt wird, die Politik des Kantons Bern aber offenbar keine Konsequenzen daraus ziehen kann. Würde sie dies tun, hätte vielleicht mal einer die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) gefragt, wie sie dieses Problem angehen will, wenn sie sich weiterhin nur auf irgendwelche Sparübungen konzentriert.

Es macht mich so unglaublich wütend, dass der Direktor der GEF Pierre Alain Schnegg die Spitex eine «aufgeblähte Organisation» nennt. Was für eine Frechheit und was für eine Arroganz! Weder er noch die anderen Befürworter dieses Sparkurses scheinen sich auch nur eine Sekunde Gedanken darüber zu machen, was sie den Pflegenden antun. Sie sind es, denen noch mehr aufgebürdet wird. Sie sind es, die noch mehr in noch kürzerer Zeit tun müssen, obwohl sie schon lange keine Zeit mehr haben. Ihre physische und psychische Gesundheit steht auf dem Spiel. Ich möchte die Damen und Herren Regierungsräte schütteln und sie anschreien: «Wenn die letzten Pflegenden ihren Dienst quittiert haben oder zusammengebrochen sind, werdet ihr verstehen, dass Euer Geld nicht pflegen kann!»

Es macht mich entschlossen, für den Beruf, den ich so sehr liebe zu kämpfen, bis zum letzten Atemzug. Ich lasse nicht zu, dass Menschen, die weder die Freude und noch weniger das Leid von Pflegenden kennen, diese mit ihrer Ignoranz zerstören.

Ihr alle da draussen könnt mithelfen. Indem Ihr Euch gut anseht und anhört, wer, was in dieser unsäglichen Spardebatte sagt und abstimmt. Und Euch dann bei den nächsten Wahlen ganz genau daran erinnert!



Eure Madame Malevizia

traurige, enttäuschte, wütende, entschlossene Pflegehexe

Donnerstag, 16. November 2017

Freie Meinungsäusserung zur Pflegeinitiative – eine pflegehexerische Stellungnahme Teil VI


Mutmacher

In der ganzen hitzigen und zugegeben manchmal auch frustrierenden Diskussion, dürfen wir nicht vergessen, warum wir dies hier tun. Da draussen, gibt es Menschen, die wissen, weshalb die Pflegeinitiative lanciert wurde und warum wir dafür einstehen. Zwei Mutmacher, für alle, welche sich mit ihrem Herzblut einsetzen.

 «Diesem in jeder Beziehung anspruchsvolle Beruf der Dipl. Krankenschwestern gehört eine gerechte Bezahlung und der Verantwortung die diese Pflegefachkräfte jeden Tag auf sich nehmen auch Arbeitsbedingungen die nicht durch einen Drehtüreffekt kaputt gehen. Es kann ja nicht sein, dass eine Krankenschwester nur 80 Prozent arbeiten kann weil 100 gar nicht mehr machbar sind Das sind unhaltbare Zustände. Diese Menschen leisten überdurchschnittliches und haben ein Recht, dass Arbeitsbedingungen geschaffen werden die menschlich und tragbar sind. …

Urs Baumann

Ich danke für dieses Statement. 120'000 Menschen sehen das ebenso und haben die Pflegeinitiative unterschrieben. Ihnen gilt als erstes mein Dank. Ihre Unterschrift sehe ich als Auftrag, der mich ermutigt, weiter zu machen.

„Wer in der Schweiz ist denn verantwortlich, dass genügend Personal ausgebildet wird? - Welche Lobby z.B. kontrolliert die Knappheit der Ärzte? - Wer ist für die Krankenschwestern verantwortlich - ist ja absurd, dass nur rund 45% von CH ausgebildet werden, der Rest importiert?!? - Solche Entwicklungen finde ich für ein Land wie die Schweiz derart schmarotzerhaft - wann lernen wir, unsere Hausaufgaben zu machen - lieber Herr & Frau Bundesrat? gelüstet mich zu fragen...“

Urs M. Widmer

Ja, Herr Widmer, bitte fragen Sie! Fragen Sie immer wieder und fragen Sie laut. Und fragen Sie nicht nur unseren Bundesrat, fragen Sie die Parteien, fragen Sie das Parlament! Dann wären wir nämlich schon zu zweit! Und Sie wissen ja, steter Tropfen, höhlt den Stein.



Madame Malevizia, Pflegehexe

Mittwoch, 15. November 2017

Freie Meinungsäusserung zur Pflegeinitiative – eine pflegehexerische Stellungnahme Teil V


Lösungs – und nicht Lösungsansätze




Es gibt auch Versuche zur Lösung des Problems beizutragen. Manche dieser Ansätze sind durchaus brauchbar, eher weniger…


«...Der Vorstoss von SVP Joder ist unredlich. Dass die Krankenschwestern mehr Verantwortung übernehmen können ist unbestritten. Aber Joder wollte lediglich noch mehr Arbeit auf das Pflegepersonal abwälzten und so Kosten einsparen. Unredlich.»

Urs Baumann

Das war in keiner Weise die Absicht von Herrn Joder. Seine Grundüberlegung war, den Pflegefachpersonen vor dem Gesetz jene Verantwortung zu übergeben, die sie in der Praxis schon seit Jahren übernehmen. Der Vorstoss von Herrn Joder ist der einzige ernst zu nehmende, den es bisher im Parlament gab.


„Die Initiative ist schwachsinnig! Woher sollen den all die Leute kommen? 1/4 aller Studenten in der Schweiz sind bereits aus dem Ausland rekrutierte. Zudem muss bereits heute jede 2. neu geschaffene Stelle von einem Menschen besetzt werden, den man aus dem Ausland rekrutiert.

Wenn Sie die Attraktivität des Pflegeberufs mit dieser Initative weiter steigern und Einheimische (Schweizer wie Ausländer) vermehrt umsteigen, dann müssen ganz einfach die verlassenen Arbeitsstellen erneut mit anderen aus dem Ausland geholten Menschen besetzen. DAS IST EIN NULL-SUMMEN-SPIEL, jedoch ein teures, weil wir für diese Umbesetzung (Umschulungen) Milliarden ausgeben müssen.“

Rolf Rothacher


Ok. Denken wir diesen Ansatz mal zu Ende: Der Fachkräftemangel lässt sich nicht beheben, weil er sonst wo anders entsteht. Wir lassen alles wie es ist. Lassen somit zu, dass auch die letzte Pflegefachperson zusammenbricht. Dann pferchen wir Gebrechliche, Verletzte und Kranke in eine Hütte und lassen sie dort elend verrecken. Wir können sie natürlich auch einfach auf der Strasse liegen lassen...Es überlebt nur der, der für die Pflege bezahlen kann. Problem gelöst. Nein, das ist nicht sarkastisch, das ist ehrlich.


„Ja zu mehr Ausbildungslohn und vermutlich schlussendlich auch mit mehr Lohn (der auch angebracht wäre), nur ob man damit mehr Pflegepersonal in der Schweiz generiert??? - es gibt attraktivere Jobs, die mit weniger Psychischer und körperlicher Belastung behaftet sind.“

Roland Nuessli

Genau deshalb will die Pflegeinitiative auch „anforderungsgerechte Anstellungsbedingungen“ (Initiativtext). Es würde die Attraktivität des Berufes aber durchaus positiv beeinflussen, wenn mit dem Salär einer Pflegefachperson am Patientenbett eine Familie ernährt werden könnte.


„Das Pflegepersonal verdient grosse Hochachtung für Ihre Arbeit. Es ist aber auch ein gesellschaftliches Problem, dass der Pflegeberuf nicht grade für Junge Leute attraktiv ist. Einerseits hat dies sicher mit dem tiefen Lohn während und nach der Ausbildung zu tun. Dies dürfte aber auch die Gesundheitskosten in die Höhe treiben.“

Andreas Molnar

Der Beruf ist nicht nur lohnmässig nicht attraktiv. Seien wir doch ganz ehrlich, wer ist so verrückt und steigt in einen Beruf ein, der körperlich Hochleistungsport entspricht und dessen psychische Belastung einem Horrorfilm nahe kommt? Ich und jede andere Pflegefachperson, die noch an der Front arbeitet, ist so verrückt. Und jede einzelne hätte den Prix Courage verdient. Aber können wir das der Jugend noch zumuten? Oder besser gesagt, dürfen wir von ihnen erwarten, dass sie sich das antun?


„Patientenpflege ist wie es der Ausdruck schon sagt, die Pflege von Patienten. Müssten diplomierte KrankenpflegerInnen nicht auch noch die Patienten waschen, anziehen, umbetten usw., sondern sich den anspruchsvolleren Tätigkeiten rund um die Kranken widmen, so könnten erst genannte Arbeiten auch von "gewöhnlichen" dazu berufenen Menschen ohne Zeitdruck getätigt werden. Die Pflegeberufe wurden komplett stilisiert und die Menschlichkeit wegrationalisiert.“

Tina Baumann


„…und dass die in der Pflege tätigen Personen entsprechend ihrer Ausbildung und ihren Kompetenzen eingesetzt werden.“ steht im Initiativtext. Es ist ein weiterer Lösungsansatz zu überprüfen, wer für was eingesetzt wird. Pflegende (HF sowie FAGE) übernehmen heute im Alltag Aufgaben, die nicht in ihr Berufsbild gehören. Würden diese endlich wegfallen, wäre die Pflege schon sehr viel mehr entlastet.

Madame Malevizia, Pflegehexe

Dienstag, 14. November 2017

Freie Meinungsäusserung zur Pflegeinitiative – eine pflegehexerische Stellungnahme Teil IV


Es gibt Dinge, die ich nicht verstehen muss – oder die Ausländer sind schuld.

Eines der für mich absolut nicht nachvollziehbaren Themen, die mit der Pflegeinitiative in Zusammenhang gebracht werden, ist die Ausländerfrage (sorry, ich weiss gerade kein besseres Wort). Es widerstrebt mir zutiefst, mit meiner Stellungnahme irgendwelcher rechten Hetze möglicherweise eine Plattform zu bieten. Aber ich stelle mich dem jetzt und hier.



„In der letzten Zeit habe ich meinem Nachbar im Ospedale Civico Lugano besucht. Bei den Patienten sind Schweizer eine kleine Minderheit (30%?) und genau so beim Personal. Wir sind soweit, dass Ausländer (Grenzgänger) das CH-Personal ausboxen. Es kommen pro Jahr 10-tausende zu uns und lassen sich sofort gratis pflegen. Immer mehr Ausländer pflegen immer mehr ausländische Patienten, wo es hingeht weiss keiner.“

Tullio Bernasconi



Ich kenne die Zahlen nicht, sie interessieren mich auch nicht. Jeder Mensch, hat das Recht auf Leben und jeder Mensch hat das Recht auf würdige Pflege. Die Nationalität hat damit nichts zu tun. Es kann nicht die Lösung sein, Kriterien aufzustellen, wer jetzt gepflegt werden soll und wer nicht.



„…Wenn wir (einigermassen) offenen Grenzen haben, müssen wir damit leben dass erstens Menschen kommen wollen, und zweitens Firmen das Recht haben solche Menschen einzustellen…

David K.

Sie dürfen kommen, wenn das ihr Wunsch ist, soll das möglich sein. Es kann jedoch nicht sein, dass die Schweiz Pflegefachpersonen gezielt anwirbt um den eigenen Mangel zu decken.



„…Übrigens: wir brauchen auch so viel Pflegepersonal weil viele mittlerweile ältere südeuropäische pensionierte Bauleute Pflege brauchen“

David K.



Diese Menschen, haben ihre Arbeitskraft in der Schweiz eingesetzt und hier Steuern bezahlt, sie haben ein Recht darauf hier auch gepflegt zu werden. Es ist einfach mit nichts zu begründen, dass die Schweiz zuerst diese Menschen herholt und sie dann nach getaner Arbeit, wenn sie krank werden einfach wieder abschiebt. Wo bleibt da die Menschlichkeit?



„Der erste Schritt ist die Kündigung der PFZ.

Das müsste eigentlich jedem einleuchten.

Konsequenzen PFZ: Mehr Lohndruck, mehr Stress, weniger sozialer Zusammenhalte, mehr Arbeitslose/Ausgesteuerte, mehr Leute, mehr Leute in Pflege, ..., noch mehr Pfleger notwendig ...

Danach der Kündigung können wir über eine Verbesserung der Ausbildung sprechen“.

Max Ernst



Es hat einige Zeit gedauert, bis ich kapierte was PFZ heisst. Ich bin zwar manchmal schwer von Begriff, aber für mich ist es auch völlig abwegig, den Fachkräftemangel in der Pflege mit der Personenfreizügigkeit zu begründen. Und die Gleichung von Herrn Ernst verstehe ich beim besten Willen nicht.



„Warum soll die Schweiz für die PFZ Einwanderung noch mehr Leute ausbilden? Vielleicht müssten die Pflegeberufe neu organisiert werden, damit auch Leute mit niedrige Qualifikationen mithelfen können, und so mehr Asylanten und Sozempfänger ihren Teil dazu leisten können.“

Nina Klein



Ich kann den Zusammenhang zum PFZ einfach nicht herstellen. Das Hauptproblem ist einfach der Fachkräftemangel auf Tertiärstufe, also ganz oben. Da nützt es nichts, noch mehr Ungelernte ins System einzubinden. Es braucht Leute, die diese „Arbeiter“ koordinieren können, die wissen, was wann wie getan werden muss. Im Gesundheitswesen sind dies die Pflegefachpersonen HF.


Madame Malevizia, Pflegehexe