Donnerstag, 13. April 2017

Werter Herr Regierungsrat Pierre Alain Schnegg

Dies wird kein netter Brief. Dies wird ein Brief, der Sie zum Nachdenken bringen soll. Auslöser ist der Bericht vom Bund vom 24.3.2017 in dem weitere Sparmassnahmen im Gesundheitswesen angekündigt werden. Ich habe wirklich geglaubt ich lese nicht richtig. Als Pflegehexe bin ich von solchen Massnahmen direkt betroffen und erlaube mir deshalb, etwas zu solchen Plänen zu schreiben.
Auf Ihrer Website bin ich auf Ihre Vision zum Thema Gesundheitswesen gestossen. Folgende Schlagworte sind mir hängen geblieben: bessere Dienstleistungen, Rentabilität, Wettbewerb. Mir schnürte es bei diesen Worten die Kehle zu, und ich hätte weinen können. Weinen, vor Entsetzen, vor Verzweiflung, vor Wut.
Es entsetzt mich, von einem Regierungsrat, der zwar den Mut hat, sich dem komplexenThema Gesundheitswesen anzunehmen, nicht ein einziges Mal das Wort „Mensch“ zu lesen.
Es bringt mich zur Verzweiflung, im Zusammenhang mit Spitälern von Dienstleistung zu lesen. Für mich hat dieses Wort vor allem mit Hotellerie und, exgüse, Schnickschnack zu tun. Das benötigt kein Patient im Spital. Und ich benutze mit voller Absicht das Wort Patient und nicht Kunde oder Gast! Im Spital werden Menschen behandelt, die krank oder verletzt sind und deshalb der Behandlung und Pflege bedürfen. Die in der Pflege knapp gewordenen Ressourcen dürfen nicht noch mit irgendwelchen „Dienstleistungen“ verschwendet werden. Aber genau das geschieht jeden Tag.
Es macht mich stinksauer (nein, es gibt kein freundlicheres Wort dafür), wenn ich dann noch Rentabilität und Wettbewerb lese. Ein Spital ist kein beliebiges Unternehmen. Ein gewöhnliches Unternehmen kann einen nicht rentablen Auftrag einfach ablehnen. Ein Spital, spätestens ein Unispital kann einen hochkomplexen Patienten nicht einfach ablehnen oder entlassen wenn die Fallpauschale aufgebraucht ist.
Ist es das, was Sie meinen, wenn Sie von Rentabilität sprechen? Es wird nur noch behandelt, wer es sich leisten kann? Dann verstehe ich, weshalb Sie in Ihrer Vision das Wort „Mensch“ aussen vor lassen.
Wettbewerb und Rentabilität heisst auch immer, wir sparen am Personal. Und da geht es schlussendlich um Leben. Haben Sie sich jemals mit dem Alltag von Pflegenden auseinandergesetzt? Können Sie sich vorstellen, was es bedeutet, entscheiden zu müssen, ob man jetzt Herrn Meier noch länger in seinen Exkrementen liegen, Frau Müller weiter vor Schmerzen weinen lässt oder doch riskiert, dass Herr Glaser in seinem Bett verblutet?
Es geht mir nicht um ein „Luxusgesundheitswesen“ Es geht mir schlicht darum, die nötigen personellen Mittel zur Verfügung gestellt zu bekommen, um meine Arbeit zum Wohle aller machen zu können. Das ist nicht Dienstleistung sondern Dienst am Menschen. Und dafür sind Sie als Regierungsrat und Direktor der Gesundheits- und Fürsorgekomission mitverantwortlich. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie Ihren Beitrag dazu beitragen, dass Pflege nach bestem Wissen und Gewissen möglich ist.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Ihrer Vision den Menschen sehen können und ich wünsche Ihnen Gesundheit, sie ist das höchste Gut, das sich keiner kaufen kann.
Hochachtungsvoll                                                                               
Madame Malevizia

Ps. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass dieser Brief, sowie eine Antwort auf meine Homepage sowie auch Facebook veröffentlicht werden.

Montag, 3. April 2017

Zu spät gestorben

Ich fordere Politiker immer wieder auf, sich den ethisch – moralischen Fragen im Gesundheitswesen zu stellen. Besonders wenn es um Sparmassnahmen geht, ist diese Auseinandersetzung zwingend. Hinter diesen Fragen, stehen Menschen und ihre Schicksale. Frau Frieden (Name erfunden, nicht geändert, ich weiss nicht mehr wie sie hiess, aber noch ganz genau, wie sie aussah) ist eines dieser Schicksale…

Zu spät gestorben
Es war an einem Samstag im Pflegeheim. Ich hatte am Vortag frei gehabt und erfuhr so erst an diesem Morgen, dass ein Eintritt kommen würde. Den spärlichen Unterlagen entnahm ich, dass Frau Frieden von Zuhause kommen, an Lungenkrebs litt und die Situation palliativ sein würde.
Um 10.00 brachte die Ambulanz (nein, das ist eigentlich nicht üblich), Frau Frieden auf die Station. Frau Frieden lag, vor Schmerzen stöhnend und nach Luft schnappend auf der Trage. Aufgrund ihrer schlechten Venenverhältnisse war es den Sanitätern nicht gelungen einen venösen Zugang zu legen, um der Frau etwas gegen die Schmerzen zu geben. Der noch liegende Port konnten sie mangels Material nicht anstechen. Subkutane Injektionen waren ihnen nicht erlaubt (ich weiss nicht, ob das heute noch so ist, aber damals war es so). So war Frau Frieden ohne adäquate Schmerzmedikation transportiert worden.
Frau Frieden selbst war kaum mehr ansprechbar, das Leiden und die Schmerzen waren ihr jedoch ins Gesicht geschrieben. Arztbericht war keiner vorhanden, einzig ein Notizpapier auf dem mit die Spitex aufgeschrieben hatte, wann Frau Frieden von ihnen das letzte Mal Morphin subkutan erhalten hatte. Ich stand also da, alleine auf meiner Wohngruppe, mit einer Patientin, die vor Schmerzen schrie und hatte null Verordnung, um dieser Frau zu helfen.
Ich rief also als erstes in der Gemeinschaftspraxis an, welche das (äusserst knappe) Einweisungszeugnis geschrieben hatte. Nein, der zuständige Herr Doktor habe seit heute Ferien. Auf mein insistieren, dass ich jetzt einfach einen Arzt ans Telefon brauche, wurde ich dann mit der Vertretung verbunden. Diese kannte den Fall natürlich nicht, liess sich aber erweichen, und verordnete mir das für die Patientin dringend notwendige Morphin. Jedoch in einer Dosierung, von der ich wusste, dass es ihr niemals  die furchtbaren Schmerzen nehmen würde. Nein, vorbei kommen könne sie nicht, sie habe die Praxis voll.
Ich fand schliesslich heraus, dass Frau Frieden bis vor kurzem auf einer Palliativstation hospitalisiert war. Um Informationen über die bereits bewusstlose Frau zu erhalten, rief ich dort an. Die Pflegefachperson kannte Frau Frieden und gab mir die private Telefonnummer ihres behandelnden Arztes auf der Palliativstation. Als sie den Namen nannte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Es war Dr. Merlin (ja, er heisst wirklich so). Mit Dr. Merlin hatte ich schon einige Male bei Palliativsituationen zusammengearbeitet. Mit klopfenden Herzen, da ich ihn ja an seinem freien Tag störte, rief ich ihn an und schilderte die Situation. Und Dr. Merlin war mein und vielleicht auch Frau Friedens rettender Engel. Noch am Telefon verordnete er mir eine ausreichende Menge Morphin. Dann setzte er sich ins Auto und kam her.
Von ihm erfuhr ich dann, wie Frau Frieden in diesem desolaten Zustand auf meine Wohngruppe gelangt war: Frau Frieden war drei Wochen auf der Palliativstation gewesen. Nach dieser Zeit war jedoch die Kostengutsprache der Krankenkasse abgelaufen. Frau Frieden war also schlicht zu wenig schnell gestorben. Da Frau Frieden zu diesem Zeitpunkt noch einigermassen selbständig war, wurde sie mit Spitex nach Hause entlassen. Dort verschlechterte sich ihr Zustand innerhalb einer Woche so dramatisch, dass am Freitag notfallmässig ein Bett für sie gesucht werden musste. Die Krankenkasse wollte nach so kurzer Zeit keine Kostengutsprache für die Palliativstation machen, die Spitäler lehnten sie ebenfalls ab. Unsere Casemanagerin hatte Mitleid und nahm die Frau auf. Dies ohne zu wissen, wie schlecht es der Frau wirklich ging.
Dr. Merlin tätigte die für mich so wichtigen Verordnungen. Bevor er ging sagte er zu mir: „Sie dürfen mich jederzeit anrufen, wenn sie noch etwas brauchen, auch wenn Frau Frieden verstirbt, ich komme dann und stelle den Tod fest (dies muss bei jedem Menschen der verstirbt so sein). Frau Frieden hat es verdient, dass sich in ihren letzten Tagen noch jemand zuständig fühlt.


Frau Frieden verstarb nach wenigen Tagen, ohne noch einmal das Bewusstsein zu erlangen. Ihre Schmerzen konnten wir einigermassen lindern. Frau Frieden verliess diese Welt in einer ihr fremden Umgebung, umgeben von Menschen, die zwar ihr Bestes taten, um ihr ein würdevolles Sterben zu ermöglichen, die sie aber nicht kannte. Beim Gedanken daran kommen mir noch heute die Tränen. Es wäre anders möglich gewesen. Auf der Palliativstation, auf der sie drei Wochen gewesen war, hatte sie sich noch dazu äussern können, was sie sich wünschte, sie hatte Beziehungen zu den Pflegenden aufgebaut, es waren alle Verordnungen und alle Möglichkeiten da, um ihr Leiden zu gering wie möglich zu halten, aber weil sie nicht schnell genug gestorben ist, musste diese Frau unendlich leiden. Sie ist durch sämtliche Maschen des Systems gefallen, weil sie zu spät gestorben ist.  

Donnerstag, 23. März 2017

Offener Brief an die Politiker und Politikerinnen des Kantons Bern


Werte Damen und Herren,
ich beziehe mich in diesem Schreiben auf den Bericht vom Bund vom 24.3.2017
Das Sparpaket fordert erste Opfer
„Im Herbst will der Kanton bis zu 300 Millionen Franken einsparen. Als Konsequenz sistiert Regierungsrat Schnegg Verbesserungen bei der Pflege von schwer kranken Menschen.Alte, unheilbar kranke Menschen sind die ersten Betroffenen des grossen Sparpakets, das der Kanton Bern schnüren will. Zwischen 200 und 300 Millionen Franken sollen dabei eingespart werden. Wie und wo genau soll zwar erst im Herbst beschlossen werden. Der Direktor der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF), Pierre Alain Schnegg (SVP), hat in seiner Direktion aber bereits vorsorglich angeordnet, alle Budgetposten zu prüfen, «die nicht niet- und nagelfest» sind, wie es ein Kaderangestellter der Direktion gegenüber dem «Bund» sagt.Doch im Gesundheits- wie auch im Sozialwesen sind viele der Kosten gebunden. Weil man diese «nicht beeinflussen» könne, «rücken wenige andere Möglichkeiten zur Kostensenkung in den Fokus», schreibt GEF-Generalsekretär Yves Bichsel in einem Brief, der dem «Bund» vorliegt. Gemeint sind damit vor allem Posten, die noch in der Projektierungsphase sind. Adressat des Briefes sind die Spitäler und die Spitexverbände im Kanton. Es ist deren bereits aufgegleistes Modellprojekt im Bereich ambulante Palliativversorgung, das auf Eis gelegt wird. Der Auftrag zum Projekt war von der GEF selbst gekommen. Noch im letzten September kündigte die GEF an, das Projekt im Sommer 2017 umsetzen zu wollen.“
«Grosses Sparpotenzial»
Das Projekt der ambulanten Palliativversorgung sah vor, Strukturen aufzubauen, mit denen unheilbar kranke Menschen zu Hause oder im Pflegeheim gepflegt werden können. Dies als Ergänzung zu den bestehenden Spitex- und Hausarztangeboten. In ganz schwierigen Fällen sei die Versorgung heute nicht ausreichend, sagt Annamaria Müller, vom Spitalamt der GEF. «Dies etwa, wenn Menschen unstillbare Schmerzen haben oder wegen ihres Leidens unter schweren Angstattacken leiden.
Solche Patienten müssen heute im Spital versorgt werden. Oft sterben die Menschen auch dort. Für Fachpersonen ist klar, das für die Betroffenen nicht ideal ist. Bei Projekt der ambulanten Palliativversorgung gehe es laut Müller denn auch darum, «mehr Menschen ein Sterben in Würde zu ermöglichen».
Marcel Schenk, Geschäftsleiter von Pro Senectute Kanton Bern, bringt denn auch «wenig Verständnis» für die Sistierung auf. Er bedaure, dass «ein gutes Projekt kurz vor der Umsetzung» gestoppt werde. Dieses helfe kranken Menschen, länger zuhause zu bleiben. Zudem könne mit der ambulanten Versorgung Geld gespart werden. Das findet auch Steffen Eychmüller, Professor für Palliative Care an der Universität Bern. Er ist mit seinem Institut zusammen mit dem Lindenhofspital, dem Spitalzentrum Biel und der Spitex am Projekt der GEF beteiligt. In einer Arbeit beziffert er die Einsparmöglichkeiten auf jährlich 15 Millionen – mittelfristig gar auf bis zu 400 Millionen Franken. Er stützt sich dabei auf eine Langzeitstudie aus Katalonien und die demografische Entwicklung. Die Kosten für die ambulante Versorgung im gesamten Kanton beziffert er derweil auf sechs bis zehn Millionen Franken pro Jahr. Er hoffe auch deshalb, dass das «sehr sinnvolle Vorhaben» fortgeführt werde. Auch müsse man den Schwerkranken Alternativen bieten.
Was ist sonst noch betroffen?
Wie geht es nun weiter mit dem Projekt? Annamaria Müller sagt, dass das sinnvolle Projekt nach Möglichkeit später doch noch realisiert werde. Regierungsrat Schnegg wollte sich am Mittwoch trotz mehrfachem Nachfragen nicht zum Thema äussern. So ist derzeit auch noch unklar, welches die anderen Projekte sind, die laut «Bund»-Informationen in der GEF derzeit gestoppt worden sind. Auch in der zuständigen Grossratskommission waren die Sistierungen kein Thema. Das sorgt dort für «Verwunderung» und «Irritationen». So sagt etwa SP-Grossrätin Andrea Lüthi, sie hätte sich ein transparenteres Vorgehen seitens der GEF gewünscht.
(Der Bund)

Und jetzt nehme ich jeden einzelnen von Ihnen in die Pflicht! Hier geht es nicht um Zahlen, hier geht es um Menschen. Sie können es sich bequem machen und behaupten, man müsse das Ganze sachlich sehen. Ja, Sie können das. Sie sind nicht jene Menschen, die das Leid der Sterbenden aushalten müssen, die an den zu knapp bemessenen Ressourcen verzweifeln. Sie müssen den  Angehörigen nicht erklären, warum einem Sterbenden Menschen sein letzter Wunsch Zuhause zu sterben nicht erfüllt werden kann. Das Leben hat mich jedoch eines gelehrt: Es kann sehr schnell gehen, und dann sind sie vielleicht der Schwerkranke oder der Angehörige. Was dann? Würden Sie dann immer noch sachlich bleiben?
Am besten legen Sie gesetzlich fest, dass jeder Mensch über 65, der krank wird, eliminiert wird. Finden Sie das unmenschlich? Ich auch, aber es ist nicht unmenschlicher als an der Versorgung schwerkranker Menschen zu sparen, es ist nur ehrlicher.
Ich reagiere überspitzt? Durchaus möglich. Ich bin nämlich stinksauer! Ich kann es nicht mehr ab, dass Sie als Politiker und Politikerinnen sich den moralisch – ethischen Fragen die das Gesundheitswesen mit sich bringt einfach entziehen! Sie überlassen es den Pflegenden, den Ärzten dieses Spannungsfeld auszuhalten. Jeder einzelne von Ihnen, macht sich an diesen Menschen schuldig, Sieweiterhin einfach die Augen zu machen!
Ich weiss, das Gesundheitswesen ist komplex. Bestimmt ist es einfacher, sich weiterhin über die Reitschule, den Klassenkampf, die Überfremdung, oder die Gleichstellung zu profilieren. Aber hier geht es nicht um links oder rechts, schwarz oder weiss, Mann oder Frau, sondern schlicht um Menschlichkeit. Es geht um den Mut, sich diesen zugegeben schwierigen Themen zu stellen. Wer von Ihnen hat diesen Mut?
Als im Januar 2017 die Pflegeinitiative lanciert wurde, gab es Politiker, die der Meinung waren: „Das braucht es nicht, es wird ja jetzt geschaut das es besser wird“…  Nun werden Projekte sistiert, die auch die Arbeit von Pflegenden erleichtert hätte. Bis jetzt haben Pflegende jede Sparrunde auf ihrem Rücken Anstandslos hingenommen. Es erstaunt mich also nicht, dass Sie offenbar das Gefühl haben, diesen Berufsstand weiterhin einfach ignorieren zu können. Und so hat der Kanton Bern und das GEF vor allem eines bewiesen: Es braucht die Pflegeinitiative unbedingt!
Werte Politiker und Politikerinnen, ich werde nicht ruhen, bis Sie sich mit dem Leid Schwerkranker, ihrer Angehörigen und den Problemen Pflegender auseinander setzen und aufhören auf Kosten jener zu sparen, die sich nicht wehren.
Hochachtungsvoll
Madame Malevizia

zutiefst empörte, enttäuschte und erzürnte Pflegehexe.

Dienstag, 21. März 2017

Stellungnahme zur Antwort des BAG auf den Brief an Alain Berset

Stellungnahme zur Antwort des BAG auf den Brief an Alain Berset
Werte Damen und Herren,
Ich danke Ihnen für die ausführliche Antwort auf meinen Brief. Es ist mir ein Anliegen, zu einigen Ihrer Aussagen nochmals Stellung zu beziehen.
„Sie erwähnen den Leidensdruck, dem Pflegende bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind und der nun zur Lancierung der Pflegeinitiative geführt hat. Dass Pflegende physisch und psychisch stark gefordert sind, ist auch für Menschen nachvollziehbar, die selbst keine Erfahrung als Pflegende haben.“
Ich bin froh zu wissen, dass Herr Bundesrat Alain Berset und das BAG offenbar die Notwenigkeit zu handeln erkannt haben. Auch wenn ich bezweifle, dass sie wirklich nachvollziehen kann, was der Pflegenotstand für Pflegende im Alltag bedeutet. Täglich sind Pflegende ethischen Dilemmas ausgesetzt. Damit sind die Pflegenden alleine. Dies ist ein Fakt, kein Vorwurf, sondern ein Aufruf, sich direkt mit der Not der Pflegenden auseinander zu setzen. Der Vorschlag, mich in meinem Alltag zu begleiten ist natürlich utopisch. Ich bin jedoch überzeugt, dass Herr Alain Berset und das BAG einen Weg finden werden, sich einen Eindruck der Realität zu verschaffen. Damit meine ich nicht Zahlen, sondern die Gesichter und Schicksale dahinter.

„Der Pflegeberuf ist anspruchsvoll, der ökonomische Druck führt zu einer Verdichtung der Pflegeprozesses, das ist auch dem Bundesrat bewusst.“
Der Pflegeprozess wird nicht verdichtet sondern nahezu unmöglich gemacht.

„Es braucht wirksame Massnahmen, damit Pflegefachkräfte lange und bei guter Gesundheit im Beruf bleiben.“
Solche Massnahmen würde ich sehr begrüssen. Sie sind dringend nötig und hätten schon vor Jahren ergriffen werden müssen.
Es braucht nicht nur in diesem Bereich Massnahmen. Es braucht auch Massnahmen, die es den Pflegenden ermöglichen, ihre Arbeit so zu machen, wie sie erlernt wurde.

„Als erstes sollen Instrumente entwickelt werden, um Aktualisierung zentrale Faktoren der Arbeitsumgebung und deren Einfluss auf die Berufsverweildauer zu messen. Anschliessend geht es darum, diese Instrumente in verschiedenen Institutionen der Langzeitpflege auf ihre Alltagstauglichkeit zu prüfen. Zum Schluss sollen Betriebe der Langzeitpflege, die sich verbessern wollen, bei der Durchführung eines strukturierten Optimierungsprogramms finanziell unterstützt werden.“
Und das ist jetzt alles? Glauben Sie wirklich, Pflegenden, die kurz vor dem Aufgeben sind, die völlig Desillusioniert und enttäuscht von der Politik, die sie all die Jahre im Stich gelassen hat, die ihren Beruf nur noch als Last sehen, so die Hoffnung auf Verbesserung der Situation zu geben, dass sie die Kraft finden weiter zu machen. Ich weiss, dieses Vorgehen ist sicherlich politisch und wissenschaftlich korrekt, hätte aber schon vor Jahren beginnen sollen. Sie können von den Pflegenden nicht erwarten, dass sie nochmals Jahre warten, bis sich ihre Situation verändert.
Ich weiss, die politischen Mühlen mahlen langsam, aber wenn es in diesem Tempo weiter geht, sind die ersten Bewohner in unterbesetzten Pflegeheimen verhungert.
Dass es bei diesen Bemühungen nur um die Langzeitpflege geht, finde ich etwas kurzsichtig. Denn auch die anderen Bereiche sind in Not und es wäre falsch, dort zu warten, bis der Brand ebenso gross ist, wie in der Langzeitpflege.
Trotzdem wäre es schön, wenn ich meine Leserinnen und Leser über die Arbeit zur Verbesserung der Berufsverweildauer auf dem Laufenden halten könnte. Wo finde ich dazu jeweils Informationen? Ich sehe es als Teil meiner Aufgabe, Pflegenden zu zeigen, dass Veränderungen im Gange sind. Auch wenn es mir zu wenig ist, kann es doch  Hoffnung geben, dass unser wunderschöner Beruf nicht ausstirbt, sondern neu erstarken kann.

„Sie erwähnen zudem, dass die Leistungen der Pflegenden nicht in den DRGs abgebildet seien. Auch diesbezüglich haben die Schweizerische Vereinigung der Pflegedienstleiterinnen und Pflegedienstleiter und der SBK als Trägerschaft von NursingDRG einiges bewegen können. So hat beispielsweise der Verwaltungsrat von SwissDRG AG per 2017 beschlossen, Zusatzentgelte für die Pflege- Komplex- Behandlung einzuführen. Die korrekte Abbildung der Leistungen ist eine gesetzliche Aufgabe von SwissDRG. Anpassungen in diesem Sinne sind zu begrüssen“
Es ist mir wichtig hier noch einmal zu betonen: Es ist ein Versagen der Politik (namentlich National- und Ständerat), dass die DRGs eingeführt wurden, ohne dafür zu sorgen, dass die Leistung der Pflegenden auch nur ansatzweise abgebildet wurde. Dieser Umstand ist Teil der Misere in den Spitälern. Es zeigt aber auch sehr deutlich wer im Gesundheitswesen das Sagen hat.
Nun verbleibe ich mit freundlichen Grüssen und wünsche Ihnen Gesundheit, sie ist das höchste Gut, das keiner kaufen kann.


Madame Malevizia.

Montag, 13. März 2017

Antwort vom Bundesamt für Gesundheit auf den Brief an Bundesrat Alain Berset

Anerkennung der Arbeit im Pflegeberuf
 Sehr geehrte Madame Malevizia
Ihren Brief vom Januar 2017 an Herrn Bundesrat Alain Berset haben wir erhalten und danken Ihnen dafür. Er hat uns gebeten, diesen in seinem Auftrag zu beantworten. Sie stellen dem Bundesrat in Ihrem Brief verschiedene Fragen, auf die wir nachfolgend gerne eingehen.

Sie erwähnen den Leidensdruck, dem Pflegende bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind und der nun zur Lancierung der Pflegeinitiative geführt hat. Dass Pflegende physisch und psychisch stark gefordert sind, ist auch für Menschen nachvollziehbar, die selbst keine Erfahrung als Pflegende haben. Der Pflegeberuf ist anspruchsvoll, der ökonomische Druck führt zu einer Verdichtung der Pflegeprozesses, das ist auch dem Bundesrat bewusst. Es braucht wirksame Massnahmen, damit Pflegefachkräfte lange und bei guter Gesundheit im Beruf bleiben.
Dazu hat der Bundesrat im vergangenen Dezember im Rahmen des Masterplans Bildung Pflegeberufe verschiedene Massnahmen verabschiedet, vor allem in der Langzeitpflege. Diese werden nun umgesetzt. Dazu gehören:

Erhöhung der Berufsverweildauer
Um das Personal im Beruf zu halten, will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Arbeitsumgebung der Langzeitpflege verbessern: Die Fachkräfte sollen Rahmenbedingungen vorfinden, durch die sie sich mit dem Pflegeberuf und mit ihrem Betrieb identifizieren und dort länger bleiben. Als erstes sollen Instrumente entwickelt werden, um Aktualisierung zentrale Faktoren der Arbeitsumgebung und deren Einfluss auf die Berufsverweildauer zu messen. Anschliessend geht es darum, diese Instrumente in verschiedenen Institutionen der Langzeitpflege auf ihre Alltagstauglichkeit zu prüfen. Zum Schluss sollen Betriebe der Langzeitpflege, die sich verbessern wollen, bei der Durchführung eines strukturierten Optimierungsprogramms finanziell unterstützt werden.
Personal durch Imagekampagne und Wiedereinstiegsprogramm gewinnen
Unter der Federführung des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) werden das BAG und die Organisationen der Arbeitswelt ab 2018 eine Kampagne lancieren, um das Image der Ausbildungen und der Karriere in der Langzeitpflege zu verbessern.
Zudem wird das SBFI im Auftrag des Bundesrats kantonale Förderprogramme für Wiedereinsteigende in die Langzeitpflege finanziell unterstützen. Mit der Übernahme der Kosten für Wiedereinstiegskurse sollen Bund und Kantone von 2018 bis 2022 gemeinsam 2000 diplomierte Pflegefachkräfte zur Wiederaufnahme einer Pflegetätigkeit gewinnen. Wiedereinstiegskurse werden von einzelnen Kantonen bereits heute erfolgreich angeboten. Die Kosten pro Kurs belaufen sich auf CHF 2000.- bis 5000.- pro Person.

Der Schweizerische Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) hat nach Ablehnung der parlamentarischen Initiative Joder mit der Pflegeinitiative ein legitimes demokratisches Mittel ergriffen, um direkten Einfluss auf die Politik zu nehmen und seine Anliegen durchzubringen. Die Pflegefachkräfte sind die grösste Berufsgruppe in der Gesundheitsversorgung; sie wird angesichts der älter werdenden Bevölkerung weiter an Bedeutung gewinnen. Welche Rolle sie in der Gesundheitsversorgung spielen soll, darüber wird das Schweizer Stimmvolk entscheiden, falls die Initiative zustande kommt. Das ist zu begrüssen, denn in kaum einem andern Politikbereich sind so viele Bürgerinnen und Bürger direkt oder indirekt betroffen wie von der Verfügbarkeit der Pflege.

Sie erwähnen zudem, dass die Leistungen der Pflegenden nicht in den DRGs abgebildet seien. Auch diesbezüglich haben die Schweizerische Vereinigung der Pflegedienstleiterinnen und Pflegedienstleiter und der SBK als Trägerschaft von NursingDRG einiges bewegen können. So hat beispielsweise der Verwaltungsrat von SwissDRG AG per 2017 beschlossen, Zusatzentgelte für die Pflege- Komplex- Behandlung einzuführen. Die korrekte Abbildung der Leistungen ist eine gesetzliche Aufgabe von SwissDRG. Anpassungen in diesem Sinne sind zu begrüssen.

Die Schweiz lebt und entwickelt sich weiter durch politisches Engagement. In diesem Sinne freuen wir uns auf eine konstruktive Auseinandersetzung und auf gute Lösungen für die Pflegenden im Interesse aller.

Freundliche Grüsse

Abteilung Gesundheitsberufe

Der Leiter

Ryan Tandjung

Dienstag, 7. März 2017

Bereits wieder Legende – Der Schnitzelbankrundkurs 2017



Auch wenn es auf dem Post kurz vor Abmarsch anders aussieht: Der Clanum mystericum war am Sonntag mit Schirm, Charme, dem Helgendings und ihren Versen auf dem Rundkurs. Mit von der Partie waren: Aphrodite (Göttin der Liebe und der Leidenschaft, sie fand, sonst sei niemand wichtig), Hera (von Aphrodite zur Domina degradiert); Artemis, Göttin der Jagd (die ständig nach irgendwelchen Böcken suchte) und Hades (Gott der Unterwelt, er hatte die Funktion des Ständers inne - für die Helgen, versautes Volk).
Als erstes besuchte die holde Götterschar das Prov. Seit der ersten Fasnacht trifft der Clanum hier auf ein aufgeschlossenes, begeisterungsfähiges Publikum. Auch dieses Jahr war es nicht anders. Mit öich fägts eifach! Merci Prov.
Bis auf den allerletzten und hinterletzten Platz vollgestopft war das Hasli. Wenn er könnte, hätte der liebe Reto wohl noch Plätze an die Decke gehängt. (Reto, da du die besten Pouletflügeli machst, verzeihen wir dir deine Auswüchse). Es war dann auch nicht so einfach, die nötige Ruhe für den Auftritt herzustellen. Aber es gab nette Menschen im Publikum, die selbst für diese sorgten. Der Clanum gab alles, was ihre Stimmbänder hergaben. Leider konnten uns doch nicht alle sehen und hören. Im Zwischenraum wurden wir hinterher liebenswürdig von Vreni mit Getränken und Apéroknabbereien versorgt. Da trafen wir dann auch noch unsere Freunde die SpätSünder, die jeweils nach uns auftraten. Bis zum Bären konnten wir den Kontakt halten, danach gingen uns unsere Freunde leider verloren…
Weiter gings für den Claunum mystericum im Chrämerhuus. Für Schnitzelbänke ein ideales Lokal, weil ein Schlauch und vorne eine kleine Bühne. Dazu noch ein waches, gut gelauntes Publikum. Schnitzelbankherz, was willst Du mehr?
Auch im Bären waren die Leute echt gut drauf. Seit der Rundkurs im Saal oben stattfindet, hat dieses Lokal für uns echt an Qualität gewonnen. Auch wurden wir mit Mikros versorgt und konnten so unsere zarten Stimmen schonen.
Was uns im James erwarten würde, wussten wir nicht so genau. Letztes Jahr, war dort die Stimmung eher verhalten und das Publikum wirkte irgendwie gestresst. Aber auch dort waren wir mit unserer etwas anderen Art Willkommen und wir genossen den Auftritt. Allerdings musste Hera aufpassen, dass sie nicht plötzlich ihren Text vergas. Die fantastische Deko des Lokals lenkte sie sehr ab.
Zum ersten Mal im Rundkurs war das À la carte. Dort trafen wir auf Béatrice Herzig, welche sich von der LFG um die Schnitzelbanken kümmert. Merci Béa, für Dein Interesse und Deinen Einsatz. Es ist schön, eine so liebe Ansprechperson zu haben! Das weitläufige (irgendwie hatte ich das kleiner in Erinnerung) Lokal war nicht so einfach zu bespielen. Auch die draussen Vollgas gebende Gumpibar machte es nicht leichter. Aber ich glaube, es ist doch ganz gut gegangen und wir konnten den Zuschauern Freude bereiten.
Und dann kam schon der letzte Auftritt in der Braui. Zuvor schlug natürlich mein Hexenherz höher, als ich draussen den Besenparkplatz entdeckte. Und auch drinnen war die Deko phänomenal. Bei diesem Auftritt wurde ich echt überrascht. Überrascht von der Herzlichkeit, mit der wir empfangen wurden. Und überrascht vom Interesse und der Aufmerksamkeit des Publikums. Es war ein würdiger Abschluss. Merci vielmal!
Ja, jetzt ist er schon wieder Legende, der Rundkurs 2017 und wie mir meine Freunde versichert haben, wird es auch wieder einen Rundkurs 2018 geben. Ich freue mich schon darauf!

Sonntag, 5. Februar 2017

Dear Mr. Bundesrat

Januar 2017

Werter Herr Bundesrat Alain Berset

Kennen Sie das Lied „Dear Mr. President“ von Pink? Es ist vom Jahr 2011. Darin lädt sie den amtierenden US – Präsidenten zu einem Spaziergang ein und stellt ihm einige Fragen. Auch ich habe Fragen, Fragen einer Pflegehexe an den Vorsteher des eidgenössischen Departement des Innern, welches auch für das Gesundheitswesen zuständig ist. Ich frage Sie:
·        Ist Ihnen bewusst, wie hoch der Leidensdruck sein muss wenn eine so duldsame Berufsgruppe wie die Pflege sich zusammenschliesst und eine Initiative lanciert?

·        Wie kann es passieren, dass die Leistunden einer so grossen Berufsgruppe wie die Pflege in den DRGs nicht einmal ansatzweise abgebildet sind?

·        Können Sie sich vorstellen, wie erniedrigend es für Pflegende ist, jeden Handgriff nachweisen zu müssen? Ja, die Krankenkassen sollen wissen, wofür sie bezahlen. Es führt jedoch zu weit, wenn Pflegende dokumentieren müssen, dass sie einem Patienten die Hose herunterziehen, bevor sie eine Inkontinenzeinlage wechseln.

·        Können Sie sich vorstellen, dass es für Pflegende ein Ärgernis darstellt, wenn ständig von der Kostenexplosion im Gesundheitswesen gesprochen wird, sie selbst jedoch nichts von diesem Geld sehen und sich an ihrer schwierigen Lage nichts ändert?

Werter Herr Bundesrat Berset, Pink lädt den Präsidenten zu einem Spaziergang ein. Ich lade Sie ein, eine Woche in den Schuhen einer Pflegenden zu gehen. Erst dann werden Sie auch nur ansatzweise verstehen, in welchen Spannungsfeldern sich Pflegende tagtäglich bewegen. Erst dann werden Sie erfassen, welch hohe kognitive, physische und psychische Anforderungen der Beruf stellt.
Nur so werden Sie ansatzweise verstehen, was für Menschen sich diesen Beruf aussuchen.
 Keine Studie, keine Befragung kann Ihnen mehr Anhaltspunkte dazu geben, wie Pflegende länger im Beruf gehalten werden können, als eine Woche in den Schuhen einer Pflegenden zu gehen.

Nun wünsche ich Ihnen Gesundheit, sie ist das höchste Gut, das keiner kaufen kann.

Freundliche Grüsse

Madame Malevizia

Ps. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass dieser Brief sowie eine allfällige Antwort auf meiner Homepage sowie meiner Facebook- Sete veröffentlicht wird.