Freitag, 16. Juni 2017

Werter Herr Rösti,


Im Juni 2017
Werter Herr Rösti
Sie sind der erste Parteipräsident, der einen Brief von mir erhält. Ich schreibe Ihnen, weil ich wissen will, warum die schweizer Politiker/Innen die Pflegenden im Stich lassen. Jeder Bewohner dieses Landes wird in seinem Leben  früher oder später einmal auf Pflegende angewiesen sein. Wenn sie aussterben, steht die Schweiz und seine Bevölkerung vor einem riesigen Problem, das Menschenleben kosten wird.
 Der Fachkräftemangel ist ein Fakt, der nicht mehr weg diskutiert werden kann. Das Thema ist also existentiell. In der Öffentlichkeit ist es jedoch kaum präsent und in politischen Diskussionen nicht existent.
Mit Freude und Interesse habe ich festgestellt, dass im Parteiprogramm der SVP die Gesundheitspolitik erwähnt wird. Schade, dass Sie so wenig darüber sprechen, auch wenn Ihre Haltungen nicht in allen Punkten den meinen entsprichen. Ich erachte es jedoch als wichtig, dass über das Gesundheitswesen gesprochen, diskutiert und auch gestritten wird. Das Problem des Fachkräftemangels und der damit verbundenen riesigen Not der Pflegenden wird die Schweiz nur gemeinsam lösen können. Gerne würde ich Ihnen noch ein paar Gedanken zu Ihrem Parteiprogramm mit auf den Weg geben:
Ihre Partei sieht einen Grossteil der Lösung darin, die Gesundheitsinstitutionen dem Wettbewerb und somit der Privatwirtschaft zu überlassen. Ihre Abneigung gegen die Verstaatlichung in allen Ehren, diese Sicht hat für mich einfach entscheidende Fehler:
-          Ein Spital kann niemals wie ein anderer privatwirtschaftlicher Konzern funktionieren. Jeder Konzern lehnt einen Auftrag, von dem er weiss, dass er defizitär sein wird, ab. Ein öffentliches Spital, spätestens ein Universitätsspital kann jedoch einen multimorbiden, hochkomplexen Patienten nicht einfach ablehnen, obwohl schon bei dessen Aufnahme klar ist, dass seine Hospitalisation defizitär sein wird.

-          Ich kann dieser Privatisierung auch deshalb nur wenig abgewinnen, weil für mich der Eindruck entsteht, dass sich die Politik so eines Problems entledigen will und sich aus der Verantwortung stiehlt.
Mit Freude lese ich, dass auch die SVP hinter der Palliative Care steht, umso mehr befremdet es mich, dass es ein SVPler (Pierre Alain Schnegg) war, welcher wichtige Projekte im Kanton Bern sistiert hat.
Sie wollen die „Akademisierung“ der Pflegeberufe rückgängig machen. Dies kann ich in keiner Weise unterstützen. In einem Land, in dem nur Gewicht hat, was in Zahlen gemessen werden kann, ist die Pflege auf ihre eigenen Studien zwingend angewiesen. Wer soll denn belegen, dass das was die Pflegenden tun, wirksam ist, wenn nicht sie selbst? Ich verstehe ihren Ansatz, zielt er doch auch darauf ab, dass jeder, der für diesen Beruf geeignet ist, ihn erlernen kann. Die Ausbildungen sind auch heute noch durchlässig und ein HF Abschluss auch mit einem Realschulabschluss möglich.
 Ich sehe es nicht als sinnvoll an, die Ausbildungsplätze zu erhöhen, wenn die bestehenden Plätze für Pflegefachpersonen HF (und sie sind es, die am meisten in der Praxis fehlen), schon nicht besetzt werden können.
Ich habe mir das Ziel gesetzt, den Präsidenten aller Parteien, die selben vier Fragen zu stellen. Es handelt sich um ethisch – moralische Fragen, mit denen Pflegende tag – täglich konfrontiert sind. Ich bin nämlich nicht mehr bereit zu akzeptieren, dass die Pflegenden mit solchen schwierigen und belastenden Fragen alleine gelassen werden.
Und so frage ich Sie:
Ø Was für eine Pflege wollen Sie für die Schweizer Bevölkerung?
Kommen Sie mir jetzt aber nicht mit Schlagworten wie qualitativ hochstehend und effizient! Damit können die Pflegenden an der Basis nichts anfangen.
Ø Was tut Ihre Partei, damit die von Ihnen gewollte Pflege realisiert werden kann?
Ø Wo sollen Pflegende rationieren, wenn plötzlich mehrere 100 Stellenprozente fehlen, jedoch keine Betten geschlossen werden können.
Zum Schluss noch eine etwas politischere Frage:
Für welche Massnahmen macht sich Ihre Partei stark, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken?
Gespannt und sehr interessiert warte ich auf die Antworten Ihrer Partei, bis dahin wünsche ich Ihnen Gesundheit, sie ist das höchste Gut, das keiner kaufen kann.
Mit freundlichen Grüssen
Madame Malevizia


Montag, 22. Mai 2017

Eine Meinung haben…

Eine Meinung haben…
Der Entscheid, der Inselgruppe, dass Pflege, sowie die Medizinaltechnischen – Therapeutischen Bereiche (MTT) und Medizin in der neuen Konzernleitung durch nur eine Person vertreten sein soll, irritiert. Intern offenbar genauso, wie extern. Eine Stimme, für das gesamte Kerngeschäft? Und so soll dieses Kerngeschäft gestärkt werden? Diese Argumentation scheint mir nicht schlüssig. MTT, Ärzte und Pflegende arbeiten eng zusammen. Der eine ist ohne den anderen nichts. Die Blickwinkel, wie eine Patientensituation oder auch der Betrieb betrachtet wird, unterscheiden sich. Im Alltag ist es genau dieser unterschiedliche Blickwinkel, der für den Patienten so wichtig ist. Anders als CEO Baumann bin ich der Meinung, dass die Patienten diese Bereiche durchaus unterscheiden.
Ich kann mich auch der provokativen Frage nicht erwehren, wie es wohl wäre, wenn statt eines Mediziners, jemand aus der Pflege den Bereich „Medizin“ wie er von der Inselgruppe definiert wurde, vertreten würde?
In meinen Augen es geht nicht um eine Konkurrenz zwischen MTT, Pflegenden und Ärzten, diese Zeiten sind definitiv vorbei. Tatsächlich stehen sich diese Bereiche sehr nah, wie Geschwister, aber es sind keine Zwillinge.

dahinter stehen
Der SBK hat reagiert und klare Forderungen gestellt. Die Pflegenden sowie Mitarbeitende der MTT selbst haben ihre Meinung kund getan. Auch die Ärzteschaft zeigt, dass sie diesen Entscheid nicht nachvollziehen kann und nicht ihrer Haltung entspricht. Den Zeitungsberichten ist zu entnehmen, dass die Pflegenden in der Inselgruppe nicht gewillt sind, dieses Vorgehen einfach so hinzunehmen.

den Weg von Anfang zu Ende gehen
Leider hat es die Inselgruppe verpasst, die Bedenken der verschiedenen Gruppierungen ernst zu nehmen und beharrt auf ihrem Weg. Schade, dass offenbar ein Dialog nicht möglich ist.
Es ist nicht leicht, Pflegende zu mobilisieren. In den letzten Jahren sind die Pflegenden jedoch selbstbewusster geworden. Sie entdecken ihren Wert und auch ihre Kraft. Pflegende lassen sich nicht mehr mit Phrasen wie „Die Pflege ist wahnsinnig wichtig.“ abspeisen. Dem Bund ist zu entnehmen, dass Aktionen geplant sind, ich bin überzeugt sie werden das hohe Engagement, welches sie auch im Alltag zeigen, widerspiegeln.
Sollten sich die Pflegenden der Inselgruppe dazu entschliessen, auf die Strasse zu gehen, wünsche ich mir, dass auch Pflegende aus anderen Spitälern und Bereichen mitgehen. Ich wünsche mir, dass die Ärzte ihre Solidarität öffentlich zeigen und mit der Pflege, den Weg von Anfang zu Ende gehen.
Eure Madame Malevizia

PS: Aufgrund der Lesbarkeit habe ich bei den Ärzten auf die weibliche Form verzichtet,  „frau“ verzeihe mir dies. 

Freitag, 12. Mai 2017

Was wollt ihr, liebe in der Schweiz lebenden Menschen?

Ihr Lieben,
Herr Schnegg hat tatsächlich auf meinen März – Brief geantwortet. Normalerweise würde ich diese nun Kommentarlos an Euch weiter geben. Da sich seine Antwort für mich jedoch wie eine Ohrfeige anfühlt, die ich auf keinen Fall so an Euch weitergeben will, erlaube ich mir, sie in ein Statement von mir und einen Aufruf an alle in der Schweiz lebenden Menschen zu packen. Lest selbst, was Herr Schnegg geschrieben hat:

„Sehr geehrte Madame Malevizia
Ihren Brief vom März 2017 habe ich erhalten und nehme gerne wie folgt dazu Stellung:
Ich kann Ihnen versichern, dass die qualitativ hochstehende und angemessene medizinische und pflegerische Versorgung der Berner Bevölkerung das erklärte Ziel der Gesundheits- und Fürsorgedirektion ist. Als kompetente Dienstleisterin im Gesundheitswesen setzen wir uns für eine bedarfsgerechte, zugängliche, qualitativ gute und wirtschaftlich tragbare Gesundheitsversorgung ein. Ebenso versteht unser Ziel darin, den Patienten ins Zentrum zu stellen, insbesondere, weil wir unsere Dienstleistungen explizit zu seinen Schutz und zu seiner Sicherheit erbringen.
Im Rahmen des angespannten kantonalen Finanzhaushalts haben wir allerdings finanzpolitisch verantwortungsbewusst zu handeln und uns an der Wirtschaftlichkeit der eingesetzten Mittel zu orientieren. Die von Ihnen in Ihrem Brief angesprochenen Sparmassnahmen hängen hiermit zusammen sowie mit dem Kostendruck im Gesundheitswesen generell. Der Kostendruck dürfte künftig sogar weiter zunehmen, und dies bedeutet, dass die medizinische und pflegerische Versorgung der Bevölkerung wirtschaftlich tragbar sein muss. Daher zielt auch das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) darauf ab, den Wettbewerb zwischen den Leistungserbringern zu stärken – im Gesundheitswesen sollen die Preise und damit die Kosten gesenkt werden. Im Bereich der Spitäler ist weiterhin damit zu rechnen, dass Strukturen (und Prozesse) auf ihr Sparpotiential hin geprüft werden. Die Leistungserbringer haben im Rahmen ihrer unternehmerischen Freiheit selbständig und eigenverantwortlich zu handeln – allerdings unter der Prämisse, dass ökonomische Optimierungen aus Kostengründen immer nur soweit zulässig sind, als sie medizinisch und pflegerisch zumutbar sind. Die Patientensicherheit hat stets oberste Priorität. Deshalb ist bereits im Spitalversorgungsgesetz (SpVG) als eine Bewilligungsvoraussetzung für Spitäler, um überhaupt Spitalleistungen erbringen zu können, festgeschrieben, dass sie über genügend und angemessen qualifiziertes Personal entsprechend dem Behandlungs- und Pflegebedarf der Patientinnen und Patienten verfügen. Die Einhaltung solch gesetzlicher Vorgaben ist gemäss Artikel 118 SpVG von der Gesundheits – und Fürsorgedirektion periodisch zu überprüfen. Verstösst ein Leistungserbringer gegen die Spitalversorgungsgesetzgebung, können gegen ihn gemäss Massnahmen bis zum Entzug der Betriebsbewilligung ergriffen werden.
Anschliessend möchte ich noch anfügen, dass sich meine Direktion tagtäglich dafür einsetzt, dass die gesamte Bevölkerung des Kantons und insbesondere unabhängig von ihrer sozialen Stellung ausreichend medizinisch und pflegerisch versorgt werden kann. Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass die Pflegenden dabei einen überaus wertvollen Dienst am Menschen erbringen. In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihr Engagement und versichere Ihnen, dass wir mit unseren Anstrengungen zur Stärkung unserer Partnerschaft mit den Akteuren im Gesundheitswesen, unserer Monitoring- und Aufsichtsaufgaben im Dienste der Bevölkerung und zum Schutz der Patientinnen und Patienten stetige Verbesserungen anstreben.“
Herrn Schneggs Antwort überrascht mich grundsätzlich nicht. Es ist das typische Politiker – Geschwätz: Immer schön sachlich bleiben, ja, keine Emotionen. Immerhin, ein einziges Mal steht da das Wort „Mensch“. Er weiss also, dass es um Menschen geht. Kein Wort verliert er zu meinen moralischen Bedenken zu seiner Strategie, kein Wort zu den ethischen Fragen, denen er sich in seiner Position stellen sollte.
Und so richte mein Wort nun an Euch, liebe Menschen, die ihr in der Schweiz lebt. Ihr seid es, die letztendlich bestimmen, wie unser Gesundheitssystem aussehen soll. Geht ihr mit Herrn Schnegg einig, findet ihr auch, man soll weiter sparen? Ok. Dann müsst ihr Euch allerdings bald nach anderen Pflegenden umsehen. Die ETH sollte schon mal anfangen, Fliessbänder und Roboter zu entwickeln. Ich glaube nämlich nicht, dass sich noch ein menschliches Wesen findet, dass unter solchen Umständen arbeiten will.
Wenn ihr aber wollt, dass sich etwas ändert, dann bitte, tut etwas .JETZT! Und kommt mir jetzt nicht mit: Ich habe keine Zeit, ich weiss nicht was, ich kann das nicht. Es gibt auch ganz kleine Dinge, die Ihr tun könnt. Hier einige Ideen:
1.    Unterschreibt die Pflegeinitiative, Initiative für eine starke Pflege. Am 12.05. 17 ist wieder nationaler Sammeltag. Wenn ihr dann unterwegs seid, begegnet ihr bestimmt fleissigen Sammlern. Auf pflegeinitiative.ch, könnt ihr aber auch ganz bequem Zuhause unterschreiben.

2.   Kommt es zur Abstimmung zur Pflegeinitiative (ich bete jeden Tag dafür) stimmt JA.

3.   Wenn ihr selbst Pflegende seid: Sprecht über das, was ihr erlebt. Überall wo sich die Gelegenheit dazu ergibt. Lasst Euch nicht abspeisen mit: „Ich könnte das nicht.“ Konfrontiert eure Nächsten mit den momentanen Zuständen. Alle müssen sich dem stellen.
Ihr seid nicht Pflegende: Stellt Euch den Nöten der Pflegenden. Hört hin, nehmt ihre Not ernst. Das Gesundheitswesen ist nicht nur die Krankenkassenprämie. Macht Euch Gedanken darüber, wie ihr selbst etwas verändern könnt.

4.   Wir leben in einer Demokratie mit freien Wahlen. Schaut Euch die Damen und Herren, die sich zur Wahl stellen genau an. Was sagen sie zum Thema Gesundheitswesen? Was haben sie zu den Sparmassnahmen im Grossen Rat gesagt? Was tun sie? Und dann entscheidet, wer Eurer Haltung zu diesem Thema entspricht und wählt diese Menschen.

Eines verspreche ich euch meine Lieben:
Ich gebe nicht auf! Weiter werde ich Politikern meine unbequemen Fragen stellen. Und nackt durch den Wald tanzen, sollte ich jemals eine brauchbare Antwort erhalten (nein, es wird keine Fotos davon geben). Bis zu meinem letzten Atemzug, werde ich den Mund aufmachen und dafür kämpfen, dass der Beruf, den ich so sehr liebe weiterlebt. Denn genau darum geht es.
Wie sieht es aus ihr Menschen, die ihr in der Schweiz lebt, seid ihr mit mir?


Eure Madame Malevizia. 

Donnerstag, 13. April 2017

Werter Herr Regierungsrat Pierre Alain Schnegg

Dies wird kein netter Brief. Dies wird ein Brief, der Sie zum Nachdenken bringen soll. Auslöser ist der Bericht vom Bund vom 24.3.2017 in dem weitere Sparmassnahmen im Gesundheitswesen angekündigt werden. Ich habe wirklich geglaubt ich lese nicht richtig. Als Pflegehexe bin ich von solchen Massnahmen direkt betroffen und erlaube mir deshalb, etwas zu solchen Plänen zu schreiben.
Auf Ihrer Website bin ich auf Ihre Vision zum Thema Gesundheitswesen gestossen. Folgende Schlagworte sind mir hängen geblieben: bessere Dienstleistungen, Rentabilität, Wettbewerb. Mir schnürte es bei diesen Worten die Kehle zu, und ich hätte weinen können. Weinen, vor Entsetzen, vor Verzweiflung, vor Wut.
Es entsetzt mich, von einem Regierungsrat, der zwar den Mut hat, sich dem komplexenThema Gesundheitswesen anzunehmen, nicht ein einziges Mal das Wort „Mensch“ zu lesen.
Es bringt mich zur Verzweiflung, im Zusammenhang mit Spitälern von Dienstleistung zu lesen. Für mich hat dieses Wort vor allem mit Hotellerie und, exgüse, Schnickschnack zu tun. Das benötigt kein Patient im Spital. Und ich benutze mit voller Absicht das Wort Patient und nicht Kunde oder Gast! Im Spital werden Menschen behandelt, die krank oder verletzt sind und deshalb der Behandlung und Pflege bedürfen. Die in der Pflege knapp gewordenen Ressourcen dürfen nicht noch mit irgendwelchen „Dienstleistungen“ verschwendet werden. Aber genau das geschieht jeden Tag.
Es macht mich stinksauer (nein, es gibt kein freundlicheres Wort dafür), wenn ich dann noch Rentabilität und Wettbewerb lese. Ein Spital ist kein beliebiges Unternehmen. Ein gewöhnliches Unternehmen kann einen nicht rentablen Auftrag einfach ablehnen. Ein Spital, spätestens ein Unispital kann einen hochkomplexen Patienten nicht einfach ablehnen oder entlassen wenn die Fallpauschale aufgebraucht ist.
Ist es das, was Sie meinen, wenn Sie von Rentabilität sprechen? Es wird nur noch behandelt, wer es sich leisten kann? Dann verstehe ich, weshalb Sie in Ihrer Vision das Wort „Mensch“ aussen vor lassen.
Wettbewerb und Rentabilität heisst auch immer, wir sparen am Personal. Und da geht es schlussendlich um Leben. Haben Sie sich jemals mit dem Alltag von Pflegenden auseinandergesetzt? Können Sie sich vorstellen, was es bedeutet, entscheiden zu müssen, ob man jetzt Herrn Meier noch länger in seinen Exkrementen liegen, Frau Müller weiter vor Schmerzen weinen lässt oder doch riskiert, dass Herr Glaser in seinem Bett verblutet?
Es geht mir nicht um ein „Luxusgesundheitswesen“ Es geht mir schlicht darum, die nötigen personellen Mittel zur Verfügung gestellt zu bekommen, um meine Arbeit zum Wohle aller machen zu können. Das ist nicht Dienstleistung sondern Dienst am Menschen. Und dafür sind Sie als Regierungsrat und Direktor der Gesundheits- und Fürsorgekomission mitverantwortlich. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie Ihren Beitrag dazu beitragen, dass Pflege nach bestem Wissen und Gewissen möglich ist.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Ihrer Vision den Menschen sehen können und ich wünsche Ihnen Gesundheit, sie ist das höchste Gut, das sich keiner kaufen kann.
Hochachtungsvoll                                                                               
Madame Malevizia

Ps. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass dieser Brief, sowie eine Antwort auf meine Homepage sowie auch Facebook veröffentlicht werden.

Montag, 3. April 2017

Zu spät gestorben

Ich fordere Politiker immer wieder auf, sich den ethisch – moralischen Fragen im Gesundheitswesen zu stellen. Besonders wenn es um Sparmassnahmen geht, ist diese Auseinandersetzung zwingend. Hinter diesen Fragen, stehen Menschen und ihre Schicksale. Frau Frieden (Name erfunden, nicht geändert, ich weiss nicht mehr wie sie hiess, aber noch ganz genau, wie sie aussah) ist eines dieser Schicksale…

Zu spät gestorben
Es war an einem Samstag im Pflegeheim. Ich hatte am Vortag frei gehabt und erfuhr so erst an diesem Morgen, dass ein Eintritt kommen würde. Den spärlichen Unterlagen entnahm ich, dass Frau Frieden von Zuhause kommen, an Lungenkrebs litt und die Situation palliativ sein würde.
Um 10.00 brachte die Ambulanz (nein, das ist eigentlich nicht üblich), Frau Frieden auf die Station. Frau Frieden lag, vor Schmerzen stöhnend und nach Luft schnappend auf der Trage. Aufgrund ihrer schlechten Venenverhältnisse war es den Sanitätern nicht gelungen einen venösen Zugang zu legen, um der Frau etwas gegen die Schmerzen zu geben. Der noch liegende Port konnten sie mangels Material nicht anstechen. Subkutane Injektionen waren ihnen nicht erlaubt (ich weiss nicht, ob das heute noch so ist, aber damals war es so). So war Frau Frieden ohne adäquate Schmerzmedikation transportiert worden.
Frau Frieden selbst war kaum mehr ansprechbar, das Leiden und die Schmerzen waren ihr jedoch ins Gesicht geschrieben. Arztbericht war keiner vorhanden, einzig ein Notizpapier auf dem mit die Spitex aufgeschrieben hatte, wann Frau Frieden von ihnen das letzte Mal Morphin subkutan erhalten hatte. Ich stand also da, alleine auf meiner Wohngruppe, mit einer Patientin, die vor Schmerzen schrie und hatte null Verordnung, um dieser Frau zu helfen.
Ich rief also als erstes in der Gemeinschaftspraxis an, welche das (äusserst knappe) Einweisungszeugnis geschrieben hatte. Nein, der zuständige Herr Doktor habe seit heute Ferien. Auf mein insistieren, dass ich jetzt einfach einen Arzt ans Telefon brauche, wurde ich dann mit der Vertretung verbunden. Diese kannte den Fall natürlich nicht, liess sich aber erweichen, und verordnete mir das für die Patientin dringend notwendige Morphin. Jedoch in einer Dosierung, von der ich wusste, dass es ihr niemals  die furchtbaren Schmerzen nehmen würde. Nein, vorbei kommen könne sie nicht, sie habe die Praxis voll.
Ich fand schliesslich heraus, dass Frau Frieden bis vor kurzem auf einer Palliativstation hospitalisiert war. Um Informationen über die bereits bewusstlose Frau zu erhalten, rief ich dort an. Die Pflegefachperson kannte Frau Frieden und gab mir die private Telefonnummer ihres behandelnden Arztes auf der Palliativstation. Als sie den Namen nannte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Es war Dr. Merlin (ja, er heisst wirklich so). Mit Dr. Merlin hatte ich schon einige Male bei Palliativsituationen zusammengearbeitet. Mit klopfenden Herzen, da ich ihn ja an seinem freien Tag störte, rief ich ihn an und schilderte die Situation. Und Dr. Merlin war mein und vielleicht auch Frau Friedens rettender Engel. Noch am Telefon verordnete er mir eine ausreichende Menge Morphin. Dann setzte er sich ins Auto und kam her.
Von ihm erfuhr ich dann, wie Frau Frieden in diesem desolaten Zustand auf meine Wohngruppe gelangt war: Frau Frieden war drei Wochen auf der Palliativstation gewesen. Nach dieser Zeit war jedoch die Kostengutsprache der Krankenkasse abgelaufen. Frau Frieden war also schlicht zu wenig schnell gestorben. Da Frau Frieden zu diesem Zeitpunkt noch einigermassen selbständig war, wurde sie mit Spitex nach Hause entlassen. Dort verschlechterte sich ihr Zustand innerhalb einer Woche so dramatisch, dass am Freitag notfallmässig ein Bett für sie gesucht werden musste. Die Krankenkasse wollte nach so kurzer Zeit keine Kostengutsprache für die Palliativstation machen, die Spitäler lehnten sie ebenfalls ab. Unsere Casemanagerin hatte Mitleid und nahm die Frau auf. Dies ohne zu wissen, wie schlecht es der Frau wirklich ging.
Dr. Merlin tätigte die für mich so wichtigen Verordnungen. Bevor er ging sagte er zu mir: „Sie dürfen mich jederzeit anrufen, wenn sie noch etwas brauchen, auch wenn Frau Frieden verstirbt, ich komme dann und stelle den Tod fest (dies muss bei jedem Menschen der verstirbt so sein). Frau Frieden hat es verdient, dass sich in ihren letzten Tagen noch jemand zuständig fühlt.


Frau Frieden verstarb nach wenigen Tagen, ohne noch einmal das Bewusstsein zu erlangen. Ihre Schmerzen konnten wir einigermassen lindern. Frau Frieden verliess diese Welt in einer ihr fremden Umgebung, umgeben von Menschen, die zwar ihr Bestes taten, um ihr ein würdevolles Sterben zu ermöglichen, die sie aber nicht kannte. Beim Gedanken daran kommen mir noch heute die Tränen. Es wäre anders möglich gewesen. Auf der Palliativstation, auf der sie drei Wochen gewesen war, hatte sie sich noch dazu äussern können, was sie sich wünschte, sie hatte Beziehungen zu den Pflegenden aufgebaut, es waren alle Verordnungen und alle Möglichkeiten da, um ihr Leiden zu gering wie möglich zu halten, aber weil sie nicht schnell genug gestorben ist, musste diese Frau unendlich leiden. Sie ist durch sämtliche Maschen des Systems gefallen, weil sie zu spät gestorben ist.  

Donnerstag, 23. März 2017

Offener Brief an die Politiker und Politikerinnen des Kantons Bern


Werte Damen und Herren,
ich beziehe mich in diesem Schreiben auf den Bericht vom Bund vom 24.3.2017
Das Sparpaket fordert erste Opfer
„Im Herbst will der Kanton bis zu 300 Millionen Franken einsparen. Als Konsequenz sistiert Regierungsrat Schnegg Verbesserungen bei der Pflege von schwer kranken Menschen.Alte, unheilbar kranke Menschen sind die ersten Betroffenen des grossen Sparpakets, das der Kanton Bern schnüren will. Zwischen 200 und 300 Millionen Franken sollen dabei eingespart werden. Wie und wo genau soll zwar erst im Herbst beschlossen werden. Der Direktor der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF), Pierre Alain Schnegg (SVP), hat in seiner Direktion aber bereits vorsorglich angeordnet, alle Budgetposten zu prüfen, «die nicht niet- und nagelfest» sind, wie es ein Kaderangestellter der Direktion gegenüber dem «Bund» sagt.Doch im Gesundheits- wie auch im Sozialwesen sind viele der Kosten gebunden. Weil man diese «nicht beeinflussen» könne, «rücken wenige andere Möglichkeiten zur Kostensenkung in den Fokus», schreibt GEF-Generalsekretär Yves Bichsel in einem Brief, der dem «Bund» vorliegt. Gemeint sind damit vor allem Posten, die noch in der Projektierungsphase sind. Adressat des Briefes sind die Spitäler und die Spitexverbände im Kanton. Es ist deren bereits aufgegleistes Modellprojekt im Bereich ambulante Palliativversorgung, das auf Eis gelegt wird. Der Auftrag zum Projekt war von der GEF selbst gekommen. Noch im letzten September kündigte die GEF an, das Projekt im Sommer 2017 umsetzen zu wollen.“
«Grosses Sparpotenzial»
Das Projekt der ambulanten Palliativversorgung sah vor, Strukturen aufzubauen, mit denen unheilbar kranke Menschen zu Hause oder im Pflegeheim gepflegt werden können. Dies als Ergänzung zu den bestehenden Spitex- und Hausarztangeboten. In ganz schwierigen Fällen sei die Versorgung heute nicht ausreichend, sagt Annamaria Müller, vom Spitalamt der GEF. «Dies etwa, wenn Menschen unstillbare Schmerzen haben oder wegen ihres Leidens unter schweren Angstattacken leiden.
Solche Patienten müssen heute im Spital versorgt werden. Oft sterben die Menschen auch dort. Für Fachpersonen ist klar, das für die Betroffenen nicht ideal ist. Bei Projekt der ambulanten Palliativversorgung gehe es laut Müller denn auch darum, «mehr Menschen ein Sterben in Würde zu ermöglichen».
Marcel Schenk, Geschäftsleiter von Pro Senectute Kanton Bern, bringt denn auch «wenig Verständnis» für die Sistierung auf. Er bedaure, dass «ein gutes Projekt kurz vor der Umsetzung» gestoppt werde. Dieses helfe kranken Menschen, länger zuhause zu bleiben. Zudem könne mit der ambulanten Versorgung Geld gespart werden. Das findet auch Steffen Eychmüller, Professor für Palliative Care an der Universität Bern. Er ist mit seinem Institut zusammen mit dem Lindenhofspital, dem Spitalzentrum Biel und der Spitex am Projekt der GEF beteiligt. In einer Arbeit beziffert er die Einsparmöglichkeiten auf jährlich 15 Millionen – mittelfristig gar auf bis zu 400 Millionen Franken. Er stützt sich dabei auf eine Langzeitstudie aus Katalonien und die demografische Entwicklung. Die Kosten für die ambulante Versorgung im gesamten Kanton beziffert er derweil auf sechs bis zehn Millionen Franken pro Jahr. Er hoffe auch deshalb, dass das «sehr sinnvolle Vorhaben» fortgeführt werde. Auch müsse man den Schwerkranken Alternativen bieten.
Was ist sonst noch betroffen?
Wie geht es nun weiter mit dem Projekt? Annamaria Müller sagt, dass das sinnvolle Projekt nach Möglichkeit später doch noch realisiert werde. Regierungsrat Schnegg wollte sich am Mittwoch trotz mehrfachem Nachfragen nicht zum Thema äussern. So ist derzeit auch noch unklar, welches die anderen Projekte sind, die laut «Bund»-Informationen in der GEF derzeit gestoppt worden sind. Auch in der zuständigen Grossratskommission waren die Sistierungen kein Thema. Das sorgt dort für «Verwunderung» und «Irritationen». So sagt etwa SP-Grossrätin Andrea Lüthi, sie hätte sich ein transparenteres Vorgehen seitens der GEF gewünscht.
(Der Bund)

Und jetzt nehme ich jeden einzelnen von Ihnen in die Pflicht! Hier geht es nicht um Zahlen, hier geht es um Menschen. Sie können es sich bequem machen und behaupten, man müsse das Ganze sachlich sehen. Ja, Sie können das. Sie sind nicht jene Menschen, die das Leid der Sterbenden aushalten müssen, die an den zu knapp bemessenen Ressourcen verzweifeln. Sie müssen den  Angehörigen nicht erklären, warum einem Sterbenden Menschen sein letzter Wunsch Zuhause zu sterben nicht erfüllt werden kann. Das Leben hat mich jedoch eines gelehrt: Es kann sehr schnell gehen, und dann sind sie vielleicht der Schwerkranke oder der Angehörige. Was dann? Würden Sie dann immer noch sachlich bleiben?
Am besten legen Sie gesetzlich fest, dass jeder Mensch über 65, der krank wird, eliminiert wird. Finden Sie das unmenschlich? Ich auch, aber es ist nicht unmenschlicher als an der Versorgung schwerkranker Menschen zu sparen, es ist nur ehrlicher.
Ich reagiere überspitzt? Durchaus möglich. Ich bin nämlich stinksauer! Ich kann es nicht mehr ab, dass Sie als Politiker und Politikerinnen sich den moralisch – ethischen Fragen die das Gesundheitswesen mit sich bringt einfach entziehen! Sie überlassen es den Pflegenden, den Ärzten dieses Spannungsfeld auszuhalten. Jeder einzelne von Ihnen, macht sich an diesen Menschen schuldig, Sieweiterhin einfach die Augen zu machen!
Ich weiss, das Gesundheitswesen ist komplex. Bestimmt ist es einfacher, sich weiterhin über die Reitschule, den Klassenkampf, die Überfremdung, oder die Gleichstellung zu profilieren. Aber hier geht es nicht um links oder rechts, schwarz oder weiss, Mann oder Frau, sondern schlicht um Menschlichkeit. Es geht um den Mut, sich diesen zugegeben schwierigen Themen zu stellen. Wer von Ihnen hat diesen Mut?
Als im Januar 2017 die Pflegeinitiative lanciert wurde, gab es Politiker, die der Meinung waren: „Das braucht es nicht, es wird ja jetzt geschaut das es besser wird“…  Nun werden Projekte sistiert, die auch die Arbeit von Pflegenden erleichtert hätte. Bis jetzt haben Pflegende jede Sparrunde auf ihrem Rücken Anstandslos hingenommen. Es erstaunt mich also nicht, dass Sie offenbar das Gefühl haben, diesen Berufsstand weiterhin einfach ignorieren zu können. Und so hat der Kanton Bern und das GEF vor allem eines bewiesen: Es braucht die Pflegeinitiative unbedingt!
Werte Politiker und Politikerinnen, ich werde nicht ruhen, bis Sie sich mit dem Leid Schwerkranker, ihrer Angehörigen und den Problemen Pflegender auseinander setzen und aufhören auf Kosten jener zu sparen, die sich nicht wehren.
Hochachtungsvoll
Madame Malevizia

zutiefst empörte, enttäuschte und erzürnte Pflegehexe.

Dienstag, 21. März 2017

Stellungnahme zur Antwort des BAG auf den Brief an Alain Berset

Stellungnahme zur Antwort des BAG auf den Brief an Alain Berset
Werte Damen und Herren,
Ich danke Ihnen für die ausführliche Antwort auf meinen Brief. Es ist mir ein Anliegen, zu einigen Ihrer Aussagen nochmals Stellung zu beziehen.
„Sie erwähnen den Leidensdruck, dem Pflegende bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind und der nun zur Lancierung der Pflegeinitiative geführt hat. Dass Pflegende physisch und psychisch stark gefordert sind, ist auch für Menschen nachvollziehbar, die selbst keine Erfahrung als Pflegende haben.“
Ich bin froh zu wissen, dass Herr Bundesrat Alain Berset und das BAG offenbar die Notwenigkeit zu handeln erkannt haben. Auch wenn ich bezweifle, dass sie wirklich nachvollziehen kann, was der Pflegenotstand für Pflegende im Alltag bedeutet. Täglich sind Pflegende ethischen Dilemmas ausgesetzt. Damit sind die Pflegenden alleine. Dies ist ein Fakt, kein Vorwurf, sondern ein Aufruf, sich direkt mit der Not der Pflegenden auseinander zu setzen. Der Vorschlag, mich in meinem Alltag zu begleiten ist natürlich utopisch. Ich bin jedoch überzeugt, dass Herr Alain Berset und das BAG einen Weg finden werden, sich einen Eindruck der Realität zu verschaffen. Damit meine ich nicht Zahlen, sondern die Gesichter und Schicksale dahinter.

„Der Pflegeberuf ist anspruchsvoll, der ökonomische Druck führt zu einer Verdichtung der Pflegeprozesses, das ist auch dem Bundesrat bewusst.“
Der Pflegeprozess wird nicht verdichtet sondern nahezu unmöglich gemacht.

„Es braucht wirksame Massnahmen, damit Pflegefachkräfte lange und bei guter Gesundheit im Beruf bleiben.“
Solche Massnahmen würde ich sehr begrüssen. Sie sind dringend nötig und hätten schon vor Jahren ergriffen werden müssen.
Es braucht nicht nur in diesem Bereich Massnahmen. Es braucht auch Massnahmen, die es den Pflegenden ermöglichen, ihre Arbeit so zu machen, wie sie erlernt wurde.

„Als erstes sollen Instrumente entwickelt werden, um Aktualisierung zentrale Faktoren der Arbeitsumgebung und deren Einfluss auf die Berufsverweildauer zu messen. Anschliessend geht es darum, diese Instrumente in verschiedenen Institutionen der Langzeitpflege auf ihre Alltagstauglichkeit zu prüfen. Zum Schluss sollen Betriebe der Langzeitpflege, die sich verbessern wollen, bei der Durchführung eines strukturierten Optimierungsprogramms finanziell unterstützt werden.“
Und das ist jetzt alles? Glauben Sie wirklich, Pflegenden, die kurz vor dem Aufgeben sind, die völlig Desillusioniert und enttäuscht von der Politik, die sie all die Jahre im Stich gelassen hat, die ihren Beruf nur noch als Last sehen, so die Hoffnung auf Verbesserung der Situation zu geben, dass sie die Kraft finden weiter zu machen. Ich weiss, dieses Vorgehen ist sicherlich politisch und wissenschaftlich korrekt, hätte aber schon vor Jahren beginnen sollen. Sie können von den Pflegenden nicht erwarten, dass sie nochmals Jahre warten, bis sich ihre Situation verändert.
Ich weiss, die politischen Mühlen mahlen langsam, aber wenn es in diesem Tempo weiter geht, sind die ersten Bewohner in unterbesetzten Pflegeheimen verhungert.
Dass es bei diesen Bemühungen nur um die Langzeitpflege geht, finde ich etwas kurzsichtig. Denn auch die anderen Bereiche sind in Not und es wäre falsch, dort zu warten, bis der Brand ebenso gross ist, wie in der Langzeitpflege.
Trotzdem wäre es schön, wenn ich meine Leserinnen und Leser über die Arbeit zur Verbesserung der Berufsverweildauer auf dem Laufenden halten könnte. Wo finde ich dazu jeweils Informationen? Ich sehe es als Teil meiner Aufgabe, Pflegenden zu zeigen, dass Veränderungen im Gange sind. Auch wenn es mir zu wenig ist, kann es doch  Hoffnung geben, dass unser wunderschöner Beruf nicht ausstirbt, sondern neu erstarken kann.

„Sie erwähnen zudem, dass die Leistungen der Pflegenden nicht in den DRGs abgebildet seien. Auch diesbezüglich haben die Schweizerische Vereinigung der Pflegedienstleiterinnen und Pflegedienstleiter und der SBK als Trägerschaft von NursingDRG einiges bewegen können. So hat beispielsweise der Verwaltungsrat von SwissDRG AG per 2017 beschlossen, Zusatzentgelte für die Pflege- Komplex- Behandlung einzuführen. Die korrekte Abbildung der Leistungen ist eine gesetzliche Aufgabe von SwissDRG. Anpassungen in diesem Sinne sind zu begrüssen“
Es ist mir wichtig hier noch einmal zu betonen: Es ist ein Versagen der Politik (namentlich National- und Ständerat), dass die DRGs eingeführt wurden, ohne dafür zu sorgen, dass die Leistung der Pflegenden auch nur ansatzweise abgebildet wurde. Dieser Umstand ist Teil der Misere in den Spitälern. Es zeigt aber auch sehr deutlich wer im Gesundheitswesen das Sagen hat.
Nun verbleibe ich mit freundlichen Grüssen und wünsche Ihnen Gesundheit, sie ist das höchste Gut, das keiner kaufen kann.


Madame Malevizia.